Hohe persönliche Belastung, mangelnde Wertschätzung

Betroffenensprecherin in evangelischer Kirche tritt zurück

Veröffentlicht am 04.02.2026 um 11:15 Uhr – Lesedauer: 

Hannover/Berlin ‐ Vier Jahre im Einsatz für Missbrauchsaufarbeitung: Nancy Janz verlässt das Beteiligungsforum der evangelischen Kirche gegen sexualisierte Gewalt. Die Sprecherin beklagt mangelnde Wertschätzung und fehlende Konsequenz.

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Die Sprecherin der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nancy Janz, tritt von ihrem Amt zurück und beendet ihre Mitarbeit in dem Forum. Als Grund nannte sie eine hohe persönliche Belastung sowie mangelnde Wertschätzung ihrer Arbeit. "Ich habe vier Jahre lang vermittelt, Brücken gebaut. Das hat Kraft gekostet und ich bin nicht selten über persönliche Grenzen gegangen", sagte sie dem Berliner "Tagesspiegel". Die Arbeit der Betroffenenvertretung sei immer wieder infrage gestellt worden. Zudem habe sie den Eindruck, dass Betroffene teilweise als "Alibi" genutzt würden, statt sie ernsthaft einzubinden.

Kirche bedauert Rückzug

Die EKD bedauerte den angekündigten Rückzug. Die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum, die pfälzische Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst, dankte Janz für ihr langjähriges und prägendes Engagement. Janz habe das Beteiligungsforum von Beginn an entscheidend mitgeprägt und eine besondere Verantwortung übernommen, die mit persönlicher Belastung verbunden gewesen sei, erklärte Wüst. Janz war seit Juli 2022 Sprecherin der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt von EKD und Diakonie. Ihr Co-Sprecher Detlev Zander lässt seit September sein Amt ruhen. Als Grund für diesen Schritt nannte er ebenfalls unterschiedliche Auffassungen über den Fortgang der Aufarbeitung.

"Ohne den beharrlichen Druck der Betroffenen gäbe es weder das Beteiligungsforum, noch eine Anerkennungsrichtlinie oder verbindliche Maßnahmenpläne", sagte Janz. Gleichzeitig komme bei vielen Betroffenen zu wenig von den erreichten Fortschritten an. Insbesondere bemängelte Janz eine fehlende Verbindlichkeit innerhalb der EKD. Beschlüsse müssten von den einzelnen Landeskirchen umgesetzt werden, was teils nur zögerlich oder uneinheitlich geschehe. Auch bei der Anerkennung erlittenen Leids gebe es unterschiedliche Maßstäbe, was für Betroffene zusätzliche Hürden bedeute.

Regelung der Nachfolge

Kirchenpräsidentin Wüst betonte, das Beteiligungsforum habe sich in den vergangenen Jahren zu einem zentralen Ort der strukturierten Beteiligung Betroffener innerhalb der EKD entwickelt. Das Gremium trage dazu bei, Perspektiven von Betroffenen systematisch in kirchliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Die von Janz geäußerte Kritik an Tempo und Einheitlichkeit der Umsetzung nehme die EKD sehr ernst. Dass Betroffene mehr Tempo einforderten, sei ein klarer Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Bis zur Regelung der Nachfolge bleibt Janz nach Angaben der EKD im Amt. Die Nachfolge im Sprecherinnen- und Sprecheramt solle innerhalb der aktuell sechsköpfigen Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum geklärt werden, teilte die EKD mit. (KNA)