Bistum wartet auf neuen Oberhirten

Schüller: Bischof von Münster sollte evangelisierend und synodal sein

Veröffentlicht am 06.02.2026 um 11:19 Uhr – Lesedauer: 

Münster ‐ Seit knapp einem Jahr warten die Gläubigen im Bistum Münster auf einen neuen Bischof. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller skizziert, welches Profil ein neuer Amtsinhaber aus seiner Sicht haben sollte.

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Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller wünscht sich von einem neuen Bischof in Münster eine evangelisierende und synodale Amtsführung. "Der neue Bischof ist herausgefordert, die frohe Botschaft des Evangeliums, ob gelegen oder ungelegen, kraftvoll zu verkünden", schreibt Schüller in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag für das Portal "kirche-und-leben.de". Dazu sollte der neue Oberhirte wichtige Entscheidungen für die Diözese "auf wahrhaft synodale Weise verbindlich in geistlich und fachlich guten Beratungsprozessen mit den Gläubigen gemeinsam treffen".

Wichtig werde zunächst sein, bei Haupt- und Ehrenamtlichen die Fähigkeit zu wecken, evangelisierend zu wirken. Dazu gehöre auch das Bekenntnis zu einem erkennbaren katholischen Profil, gerade beim Thema Schutz am Anfang und am Ende des Lebens. Schüller fordert dabei "eine politische Parteinahme, wenn die Schwächsten der Armen, Flüchtlinge, Verfolgte und chronisch Kranke ausgeschlossen werden aus der Teilhabe an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Prozessen".

"Raum für unterschiedliche Herangehensweisen"

Im Blick auf das Thema Synodalität betont Schüller, dass der gute Rat der Gläubigen die Akzeptanz und Rezeption guter bischöflicher Entscheidungen fördere. "Dabei ist auf die Vielfalt der pastoralen Situationen im Bistum Münster zu schauen und ausreichend Luft zum Atmen für unterschiedliche Herangehensweisen aus dem Glauben zu geben." Der Theologe schreibt weiter: "Der Bischof von Münster darf den Gläubigen zutrauen, dass ihnen am Reich Gottes gelegen ist und sie mit ihm Kirche von Münster sein wollen." Dazu müsse der neue Oberhirte entschieden an der Aufarbeitung sexuellen und spirituellen Missbrauchs festhalten und sich auf der Ebene der Bischofskonferenz dafür einsetzen, dass die Kriterien für die Anerkennung des Leids der Betroffenen transparenter gestaltet und auf ein akzeptables rechtsstaatliches Niveau gehoben werden.

Der Bischofsstuhl in Münster ist seit dem altersbedingten Rücktritt von Felix Genn im März vergangenen Jahres vakant. Gemäß des dort geltenden Preußenkonkordats wählt das Domkapitel aus einer Dreierliste, die der Vatikan zusammenstellt, einen neuen Bischof. Dieser wird anschließend von Papst bestätigt. (mal)