Augustinerkirche von Brou: ein architektonisches Juwel im Irgendwo
Es ist der Star unter Frankreichs Hühnern: das Bresse-Huhn, auch "Bresse-Gauloise" genannt. In Deutschland werden weiße Wirtschaftshühner dieser Rasse wegen ihrer schon seit 1601 (!) geschützten Ursprungsbezeichnung und ihrer auffälligen blauen Beine auch als "Les Bleues" vermarktet ("Allez les Bleues!"). Sie gelten als widerstands- und anpassungsfähige, fleißige Leger von rund 180 bis 200 weißen Eiern pro Jahr; als sehr lebhaft und neugierig, allerdings nicht sehr flug-aktiv.
Warum das wichtig ist? Nun, weil diese Geschichte von einer weiteren Sensation des sonst nicht ganz so zwingenden Landstrichs der Bresse handelt. Und auch hier geht es um eine Frau, die etwas sehr Wertvolles hergestellt hat. Oder zumindest hat herstellen lassen: ein Gesamtkunstwerk nämlich von höchstem europäischem Rang. Und das kam so:
Margarete von Österreich (1480-1530), Tochter des römisch-deutschen Kaisers Maximilian I., hatte schon eine Menge Ehe-Misere erlebt; ja sie wurde schon nicht zu Unrecht als "verkaufte Braut" tituliert. Da ging aber auch wirklich alles schief: Schon als Dreijährige wurde sie vertraglich mit Frankreichs jungem Thronfolger verheiratet, der schon sehr bald als Karl VIII. König war. Margarete wurde – als künftige Königin – im Schloss Amboise an der Loire erzogen, doch am Ende 1491 von Karl verstoßen. Was für eine Demütigung! Gleichwohl hielt man sie noch bis 1493 in Frankreich fest.
Fast tot im Kindbett
Kaum zurück, verheiratete der Vater und Kaiser sie wieder, mit Spaniens Thronfolger Juan. Zunächst, "per procuram", also rechtsgültig, nur mit einem Stellvertreter; dann, eineinhalb Jahre später, 1497 auch persönlich. Doch die Ehe dauerte dann nur sechs Monate: Juan erlag einem Fieber, Margarete starb bald darauf fast im Kindbett. Obwohl auch das Kind tot zur Welt kam, wurde Margarete wiederum bei Hofe festgehalten, durfte erst im Herbst 1499 nach Flandern zurückkehren.
Dort hatte sie ihr Vater schon längst neu verplant: Diesmal war der Vertragspartner das Haus Savoyen – aber: Diesmal kam zur hohen Politik auch Liebe hinzu. Die dritte Ehe, geschlossen im Dezember 1501, war ein Erfolg; ein kurzer zumindest. Denn der gleichaltrige Herzog Philibert II., genannt "der Schöne", starb schon knapp drei Jahre später an einem Fieber, das er sich bei der Jagd geholt hatte.
Margarete, als Halbwaise und fern der Familie aufgewachsen, war erst 24 – aber schon wieder Witwe geworden. Ihr Suizidversuch wurde vereitelt, nicht aber ihre Entscheidung: Das war's jetzt mit der Ehe! Der Witwer Heinrich VII. von England blitzte ab.
Auch im Kloster von Brou finden sich die typischen Kreuzgänge wieder.
Schon in den Jahren als Herzogin von Savoyen hatte sich Margarete aktiv in die Politik eingemischt – und darin neben diplomatischem Geschick auch Entschlossenheit bewiesen. Und entschieden setzte sie nun auch ihren Plan um, in der Nähe des Schlosses der Herzöge von Savoyen, in Brou bei Bourg-en-Bresse, ein Kloster als herzogliche Grablege erbauen zu lassen. Damit erfüllte sie ein Gelöbnis ihrer Schwiegermutter Margarete von Bourbon. Die neue Klosterkirche sollte dem Schutzheiligen der Augustiner, Nikolaus von Tolentino, geweiht werden, dessen Fest am Todestag Herzog Philiberts gefeiert wurde.
Am 28. August 1506 legte Margarete den Grundstein, und bis zu ihrem Tod trug sie Sorge dafür, dass nur die besten Handwerker mit dem künstlerisch und architektonisch anspruchsvollen Gesamtkunstwerk im spätgotischen Flamboyant- und im Renaissance-Stil beauftragt wurden: Steinmetze, Glasmaler, Holzbildhauer aus Frankreich, Flandern, Deutschland und Italien.
Wandelhalle der Trauer?
Wer heute durch die weitläufige, harmonische Anlage mit ihren allein drei doppelstöckigen Kreuzgängen wandert; wer die so perfekt wie prominent präsentierten Grabmäler von Philibert, seiner Mutter Margarete und der Klosterstifterin selbst aus Carrara-Marmor und Alabaster im Chor der Klosterkirche betrachtet, der stellt sich unweigerlich vor, wie Margarete von Österreich wohl den Rest ihres Lebens hier im Kloster ihrem geliebten dritten Ehemann nachgetrauert haben mag. Dies umso mehr, als auch ihr großzügiger persönlicher Wohntrakt bis heute erhalten ist.
Tatsächlich aber verließ Margarete die Region schon wenige Wochen nach der Grundsteinlegung – und kehrte erst im Tod hierher zurück. Das Kloster hat sie nie gesehen, seine Fertigstellung 1532 nicht mehr erlebt. Denn im September 1506 war auch Margaretes Bruder gestorben, der Regent der Niederlande. Nun wurde sie dort die Statthalterin und lebte fortan am Hof von Mechelen bei Brüssel.
Männer führen Krieg – Frauen verhandeln
Auch scharte sie dort Intellektuelle der Zeit um sich und war kluge Erzieherin und Sachwalterin ihres Neffen, des künftigen Kaisers Karl V. Krönung von Margaretes politischem Wirken war 1529 der sogenannte Damenfrieden von Cambrai, der einen intensiven Krieg zwischen Frankreichs König Franz I. und Karl V. beendete. Da die beiden Herrscher es ablehnten, direkt miteinander zu verhandeln, waren es in ihrem Auftrag Franz' Mutter Luise von Savoyen und Karls Tante Margarete, die sich auf einen Interessenausgleich verständigten – und die auch den Vertrag unterzeichneten.
Bis zu ihrem Tod 1530 regierte Margarete klug; sie lebte streng religiös und förderte großzügig die schönen Künste, vor allem die Musik. Als nur ein Beleg ihres Kunstsinns ist bis heute das Augustinerkloster Brou in der Bresse original erhalten geblieben.
