Nach Reise ins kriegsgeprägte Land

Bischof Meier: Rückkehr nach Syrien für viele nicht realistisch

Veröffentlicht am 14.02.2026 um 14:45 Uhr – Lesedauer: 

Bonn ‐ Nach seinem Syrienbesuch zeichnet der für die Weltkirche zuständige Bischof Bertram Meier ein ernstes Bild. Kirchen stehen unter großem Druck. An eine Rückkehr der vielen Geflüchteten ist kaum zu denken.

  • Teilen:

Der Vorsitzende der Weltkirche-Kommission der katholischen deutschen Bischöfe, Bertram Meier, hat pauschale Rückkehrforderungen an syrische Flüchtlinge nach einem Besuch in dem Land als problematisch bewertet. Die Lage sei hochkomplex und bleibe instabil, sagte Meier zum Abschluss seiner dreitägigen Visite am Samstag im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Ohne tragfähige Rahmenbedingungen wie Sicherheit, Zugang zu Bildung und Arbeit sowie gesellschaftliche Teilhabe bleibe Rückkehr für viele Menschen keine realistische Option, so der Augsburger Bischof.

Von einst rund 1,5 Millionen Christen lebten heute nur noch schätzungsweise zwischen 250.000 und 400.000 in Syrien, sagte Meier. "Ich habe eine große geistliche Kraft erlebt und zugleich eine tiefe Erschöpfung." Viele Kirchenverantwortliche stünden unter großem Druck: "Sie versuchen, kirchliches Leben aufrechtzuerhalten, soziale Verantwortung zu übernehmen und zugleich ihren Gläubigen Halt in einer Zeit großer Unsicherheit zu geben."

Nach 13 Jahren Krieg prägten Armut, Inflation und Perspektivlosigkeit den Alltag, so der Bischof. Junge Menschen wanderten massiv ab. "Die Kirchen spüren diese Auszehrung unmittelbar: Gemeinden schrumpfen, Klöster stehen teilweise leer, und zugleich wächst die Verantwortung für Bildung, soziale Hilfe und Versöhnungsarbeit." Die Kirche in Deutschland unterstütze die Menschen in Syrien über Bildungs- und Sozialprojekte, aber auch in geistlicher Verbundenheit und durch politische Lobbyarbeit für Minderheiten, sagte der Vertreter der Bischofskonferenz.

Verhältnis zu Assad ambivalent

Zum Kurs der islamistischen Übergangsregierung gegenüber religiösen Minderheiten äußerte sich Meier zurückhaltend. Er habe Gesprächsbereitschaft und Offenheit vernommen. Aber ob diesen Worten auch dauerhaft Taten folgten, werde sich erst zeigen müssen. "Niemand vermag heute zu sagen, wie lange Syrien auf diesem Kurs bleibt. Genau das ist auch für die Kirchen das zentrale Problem: Orientierung in einer Situation, die politisch wie gesellschaftlich weiterhin sehr fragil ist", sagte Meier. Ankündigungen der Regierung seien bislang nicht immer eingehalten worden.

Auf die Frage, ob Kirchenvertreter in Syrien ihren Rückhalt für das Assad-Regime inzwischen revidierten, sagte Meier, manche betrachteten die damalige Zeit ambivalent. "Viele trauern dem Regime nicht nach, zugleich sagen sie, dass kirchliches Leben damals möglich war und man Handlungsspielräume hatte. Heute dominiert der Blick nach vorn: Die entscheidende Frage ist, wie Syrien künftig aussehen wird. Zugleich ist spürbar, dass die Kirchen sensibler geworden sind für ihre gesellschaftliche Verantwortung." (KNA)