Inszenierte Tradition

Theologinnen kritisieren Inszenierung von "TradWives"

Veröffentlicht am 23.02.2026 um 13:04 Uhr – Lesedauer: 

Tübingen ‐ Junge Frauen zeigen sich auf Social Media in der Rolle der traditionellen Hausfrau. Zwei Theologinnen sehen darin eine gefährliche Romantisierung. Sie fordern auch die Theologie zum Handeln auf.

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Die Theologinnen Eva Maria Daganato und Isabella Reisch haben die abwertende Haltung von "TradWives" gegenüber nicht-traditionellen Lebensstilen auf Social Media kritisiert. "TradWives stellen nicht lediglich ihr Leben dar, sondern setzten dieses als Ideal, wodurch Lebensentscheidungen anderer Frauen* abgewertet werden", erklären die Theologinnen in einem Beitrag für das Portal "Feinschwarz" am Montag.  

"Unter dem Deckmantel von Ästhetik und Harmonie werden patriarchale Machtstrukturen der Vergangenheit und Gegenwart performativ erhalten", so die Theologinnen weiter. Dabei werde die "historische Realität von Frauen* romantisiert und eigene Privilegien, wie die feministisch erkämpfte Wahlmöglichkeit" gleichzeitig verschleiert. Religiöse "TradWives" beriefen sich auf die Schöpfungserzählung und sähen die Zuteilung der Geschlechterrollen als von Gott gegeben an. Die Videos seien geprägt von Exklusion, Nichtrepräsentation und Abwertung von Lebensstilen, die sich nicht dieser vorgeblich “traditionellen” Rollenverteilung zuwenden. Es sei deshalb "die Aufgabe der Theologie, genau dort anzuknüpfen, wo Menschen ausgeschlossen und marginalisiert werden".

Romantisierung des Landlebens

Bei genauerer Betrachtung der Videos fielen weitere Unregelmäßigkeiten auf, so Daganato und Reusch weiter. Anders als im traditionellen Rollenbild, in dem der Mann der Alleinverdiener sei, erhielten die "TradWives" Geld aus Werbekooperationen und seien finanziell unabhängig. Dieser Verdienst werde jedoch verschwiegen, da es im Widerspruch zum dargestellten Lebensmodell stehe. Auch zeigten die Videos oft Überschneidungen zu rechtspopulistischen Inhalten, zum Beispiel der MAGA-Bewegung von US-Präsident Donald Trump.,  

Isabella Reisch kritisiert auch die romantische Darstellung des Landlebens und das verzerrte Ideal der Leben der Großmütter. Anders als in den Videos sei das Leben auf dem Land hart gewesen. "Keine Reisen, keine teuren Küchenmaschinen, kein Ehemann mit gut bezahltem Bürojob, wenig Zeit für die Kinder, die mit anpacken mussten", betont Reisch. Vor allem aber habe sich die Generation nicht für dieses Leben entschieden, sondern habe keine Möglichkeit eines Lebens außerhalb der Landwirtschaft gehabt.  

Das Wort "TradWives" setzt sich aus den englischen Begriffen "traditional" und "housewives" zusammen und bedeutet auf Deutsch "traditionelle Hausfrauen". In den Videos auf Social Media inszenieren sich junge Frauen als traditionelle Hausfrauen und verbreiten das Ideal einer getrennten Geschlechterrolle. (ayo)