Hildesheimer Oberhirte ist neuer DBK-Vorsitzender

Glückwünsche aus Kirche und Politik für Bischof Wilmer

Veröffentlicht am 24.02.2026 um 17:39 Uhr – Lesedauer: 

Würzburg/Bonn ‐ Nach der Wahl Heiner Wilmers zum neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz erreichen ihn viele Gratulationen und Würdigungen – für einen Brückenbauer aus dem Norden, der an vielen Stellen gut vernetzt ist.

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Neben den Glückwünschen kirchlicher Gruppierungen und von Verbänden haben auch Amtsbrüder des neu gewählten Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer (64), ihre Gratulationen übermittelt. Hinzu kommen Worte aus der Politik. Wilmer, der seit 2018 das Bistum Hildesheim leitet, war am Dienstag zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz gewählt worden. Die katholischen Bischöfe bestimmten ihn bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Würzburg zum Nachfolger des Limburger Bischofs Georg Bätzing, der das Amt sechs Jahre lang innehatte.

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, appellierte an den Reformwillen des neuen Vorsitzenden: "Wir brauchen Ihr Herz für Reform und Zusammenhalt." Wilmers Wahl sei eine Richtungsentscheidung für die Kirche in Deutschland.

Zu den ersten Gratulanten unter den Bischöfen gehörte der Würzburger Bischof Franz Jung. Für ihn ist das Ergebnis der Wahl "sehr erfreulich". Den neuen Vorsitzenden beschreibt er als jemanden, der gut zuhört und aus der Erfahrung des Synodalen Weges Menschen zusammenbringen kann. "Er kann das, was begonnen worden ist, in einem guten Sinn weiterführen in die Zukunft."

Als Vorsitzender Gesicht der Kirche in Deutschland

Die Freude in der Kirchenprovinz Hamburg, zu der auch das Nachbarbistum Hildesheim gehört, sei groß, erklärte der Hamburger Erzbischof Stefan Heße. "Ich wünsche Bischof Wilmer für sein Wirken in dieser Aufgabe viel Kraft, nicht zuletzt auch viel Mut für die neuen Herausforderungen und Gottes reichen Segen".

Als Vorsitzender sei Wilmer nun "das Gesicht der katholischen Kirche in Deutschland", sagte der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Er stehe nun "vor der anspruchsvollen Aufgabe, die unterschiedlichen theologischen Strömungen in unserer Kirche zu einem hörbaren gemeinsamen Zeugnis zu verbinden." Zugleich gelte es, die "geistlichen, theologischen und pastoralen Erfahrungen der deutschen Diözesen – selbstbewusst und demütig zugleich – in die Weltkirche einzubringen". Hierfür bringe Wilmer alle Voraussetzungen mit.

Der Übergangsleiter des Bistums Münster, Antonius Hamers, würdigte Wilmer als Mann mit hoher theologischer Bildung und tiefer Spiritualität. Er traue ihm zu, wichtige Beiträge zu den großen theologischen und gesellschaftlichen Diskussionen zu leisten. Zugleich verwies der Diözesanadministrator auf Wilmers gute Vernetzung in der Weltkirche und in Rom. 

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wünschte Wilmer im kirchlichen Kölner Internetportal domradio.de Gottes Segen. "Das ist das Wichtigste, was er in dieser schwierigen Situation gebrauchen kann. Er hat auch von mir alle Unterstützung, die ich ihm geben kann."

 Eröffnungsgottesdienst der Herbstvollversammlung
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Wilmer war bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt worden.

Der Freiburger Erzbischof Stephan Burger nannte den neuen Vorsitzenden einen engagierten Streiter für soziale Gerechtigkeit. "Ich freue mich sehr über die Wahl von Heiner Wilmer. Er ist ein Brückenbauer, der die Reformthemen unserer Kirche mit einer tiefen sozialen Sensibilität verbindet."

Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl dankte Wilmer für die Bereitschaft, das Amt des Vorsitzenden in einer für die Kirche schwierigen und krisenhaften Zeit zu übernehmen. "Dieses Amt verlangt Mut, geistliche Tiefe und einen klaren Kompass. Dafür wünsche ich ihm Gottes reichen Segen, Kraft und Weisheit."

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt erklärte: "Die guten Kontakte von Bischof Wilmer nach Rom und seine Kenntnis der Weltkirche werden hilfreich sein für die Beziehungen unserer Ortskirchen in Deutschland zur Leitung der Gesamtkirche." Wilmer übernehme das Amt in herausfordernden Zeiten für die katholische Kirche in Deutschland. Er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Wilmer. Dieser habe ihm bei seiner persönlichen Gratulation zugesagt: "Gott wird im Mittelpunkt stehen."

Fortführung der Reformen

Auch der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) mahnten die Fortführung von Reformen an. "Insbesondere junge Menschen erwarten Beteiligung, Transparenz und eine Umsetzung der getroffenen Entscheidungen", sagte der BDKJ-Vorsitzende Volker Andres. Junge Menschen seien Gegenwart und Zukunft der Kirche und sollten an wichtigen Entscheidungen beteiligt werden.

Die stellvertretende Bundesvorsitzende der kfd, Ulrike Göken-Huismann, warb für eine tatkräftige und beherzte Fortsetzung des Reformprozesses Synodaler Weg. Es brauche Verlässlichkeit und die Bereitschaft, notwendige Veränderungen mutig anzugehen. Dazu gehöre eine geschlechtergerechte Kirche. Auch die Einheit der Christen erfordere neue Aufmerksamkeit. Der Katholische Deutsche Frauenbund (KDFB) forderte, die Beschlüsse des Synodalen Weges konsequent umzusetzen. Auch die Weiterentwicklung synodaler Strukturen im Rahmen der Synodalkonferenz müsse entschlossen vorangebracht werden. Mit Wilmer erwarte der KDFB die Verabschiedung der Satzung der Synodalkonferenz während der Vollversammlung. Der Verband begrüßte, dass Wilmer kurz nach der Wahl auf das Thema Missbrauch eingegangen sei, und betonte, er erwarte vom neuen Vorsitzenden, die Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen, die Zusammenarbeit mit ihnen fortzuführen und die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt und Prävention als zentrale Leitungsaufgabe zu verankern.

Die Reformgruppierung "Wir sind Kirche" betonte, die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs sei ebenfalls weiterhin ein zentrales Thema. Das katholische Hilfswerk missio Aachen bot Wilmer weitere Zusammenarbeit im Bereich der Weltkirche an. "Die Sicht unserer Partner aus dem globalen Süden ist unverzichtbar, wenn wir als Kirche voneinander lernen und solidarisch handeln wollen", sagte missio-Präsident Dirk Bingener. Zugleich erhoffe er sich von der Deutschen Bischofskonferenz weitere Impulse für die Stärkung der Religionsfreiheit weltweit.

Bild: ©KNA/Vatican Media/Romano Siciliani

Wilmer ist auch in Rom gut vernetzt.

Das Bonifatiuswerk, das sich für Katholiken in Minderheitensituationen engagiert, erklärte, Wilmer habe sich schon in der Vergangenheit stets für diese Christen eingesetzt. Aktuell sei vor allem die Unterstützung von Gemeinden im Osten Deutschlands wichtig, betonte Generalsekretär Georg Austen. Als Ordensmann wisse Wilmer, wie wichtig es sei, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen.

Zudem wurden Rufe nach guter Zusammenarbeit laut. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Kirsten Fehrs, sagte, sie habe Wilmer als einen aufgeschlossenen und weltgewandten Gesprächspartner kennengelernt, der Strukturreformen mit geistlicher Erneuerung verbinden wolle. Das lasse sie mit großer Zuversicht auf die künftige Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischer Kirche blicken.

Auch die Caritas und mehrere katholische Hilfswerke meldeten sich zu Wort. "Wir wollen gemeinsam die katholische Soziallehre als prophetische Stimme in unserer Arbeit nutzen: Liebe ist Tat", sagte Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa. "Gerne werden wir mit Bischof Wilmer an einem Zukunftsbild der Kirche arbeiten, das der Liebe keine Grenzen setzt."

Benediktiner erfreut

Zu den Gratulanten gehört auch der deutsche Benediktinerabt Nikodemus Schnabel im Heiligen Land. "Der erste Bischof aus Deutschland, der uns nach dem 7. Oktober 2023, und zwar Anfang November 2023, in Jerusalem und Tabgha besucht hat. Eine hervorragende Wahl in meinen Augen", so Schnabel in den Sozialen Medien. Auch der Abt der Abtei Münsterschwarzach, Michael Reepen, zeigte sich erfreut über Wilmers Wahl. "Wir kennen uns bereits seit dem Studium. Er ist ein Ordensmann und verfügt über die große Gabe, Menschen zu verbinden. Ich wünsche ihm für sein Wirken Gottes Segen und dass er seinen Humor bewahrt." Er hoffe darauf, dass seine Art der Bischofskonferenz helfen könne, auf dem Weg in Einigkeit voranzuschreiten.

Die Deutsche Ordensobernkonferenz erklärte, Deutschlands Bischöfe hätten "mit einem wohl sehr klaren Blick auf die anstehenden Herausforderungen und die Fähigkeiten, die es dafür braucht, um sie möglichst gut zu bewältigen", gewählt. "Gerade, wo auf allen Seiten Kräfte nachlassen, Ressourcen knapper werden und Synergien gesucht werden müssen, sind wir fest davon überzeugt, dass das geweihte Leben in der Kirche auch weiterhin seinen festen Platz hat und seinen spezifischen Beitrag dazu leisten kann, damit die Kirche ihrem Auftrag zur ständigen Erneuerung treu bleiben kann."

Die Katholische Elternschaft Deutschlands freut sich auf die Zusammenarbeit mit Wilmer. In ihren Augen ist die Wahl eine gute Entscheidung, die Hoffnung auf einen stärkeren Fokus der Kirche auf Bildung und Schule macht. "Bischof Heiner Wilmer hat unterstrichen, dass für ihn die Katholikinnen und Katholiken das lebendige Gesicht der Kirche sind, auch in Schulen", so der Bundesvorsitzende Anne Embser.

Akten liegen gestapelt im Regal eines Bistumsarchivs
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Die Aufarbeitung von Missbrauch beschäftigt die Kirche weiter.

Von der Betroffeneninitiative Eckigen Tisch hingegen gab es einen eindringlichen Appell: "Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche muss Priorität haben. Die Betroffenen müssen in den Fokus gestellt, Lösungen erarbeitet und weiterentwickelt werden." Man erwarte von Wilmer ein klares Signal in Sachen Transparenz, einen ersichtlichen Willen zur Aufarbeitung und die ernsthafte Übernahme institutioneller Verantwortung für sexuellen Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche.

Der Betroffenenrat Nord gratulierte Wilmer zur Wahl und formulierte zugleich Erwartungen an seine künftige Arbeit. Das unabhängige Gremium, das Betroffene sexualisierter Gewalt in den Bistümern Hildesheim, Hamburg und Osnabrück vertritt, wünschte Wilmer viel Kraft für seine neue Aufgabe. Dass Wilmer Betroffene sexualisierter Gewalt in seinem ersten Pressestatement ausdrücklich erwähnt und angekündigt habe, deren Stimmen hören zu wollen, mache Hoffnung, erklärte der Betroffenenrat. Man erwarte, dass das Thema Aufarbeitung in Gesprächen mit anderen Bischöfen stärkeres Gewicht bekomme.

Aus Sicht von Kolping Deutschland braucht es mit dem neuen Vorsitzenden klare Signale, dass die Ergebnisse des Synodalen Weges ernst genommen und weiterentwickelt werden. Reformen dürften nicht vertagt oder relativiert werden. "Mit der Wahl verbinden viele Katholikinnen und Katholiken die Erwartung, dass der eingeschlagene Reformweg konsequent weitergegangen wird", erklärte die Bundesvorsitzende Klaudia Rudersdorf.

Glückwunsche aus der Politik

Die religionspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Lamya Kaddor, gratulierte zur Wahl: "Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und Unsicherheiten kommt der Kirche eine besondere Verantwortung zu, Orientierung zu geben und klare Werte zu vermitteln". Mit seiner umfangreichen internationalen Erfahrung und seinem Ruf als Brückenbauer sei Wilmer für diese Aufgabe bestens geeignet. Besonders wichtig bleibe, dass die Aufarbeitung der sexualisierten Gewalt weiter vorangetrieben und der Synodale Weg konstruktiv fortgesetzt würden, um Vertrauen zu stärken und Reformen in der Kirche voranzubringen.

Ebenso äußerte sich der religionspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Hubertus Heil. "Als gebürtiger Hildesheimer und Niedersachse freue ich mich schon landsmannschaftlich über die Wahl", sagte er. "Ich habe ihn als so klugen wie umsichtigen und gesellschaftspolitisch engagierten Bischof kennengelernt". Auch der religionspolitische Sprecher der Union im Bundestag, Norbert Altenkamp (CDU), freut sich über die Wahl Wilmers: Er schätze den Bischof als jemanden, der die Fähigkeit besitze, Konservative und Reformer zu einen. 

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, Wilmer übernehme als profilierter Seelsorger und erfahrener Kirchenmann Verantwortung in einer herausfordernden Zeit. Seine Wahl sei ein starkes Signal der Kontinuität und des Dialogs. Zugleich hob er die Rolle der Kirchen für die Gesellschaft hervor: "Die Kirchen bleiben wichtige Partner für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Wertekompass in unserem Land." Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) erklärte mit Blick auf Wilmer: "Mit ihm steht künftig eine profilierte Persönlichkeit an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz, die für die großen anstehenden Aufgaben reiche Erfahrungen mitbringt." Zugleich nannte Schweitzer seine Erwartungen: Besonders der Reformweg innerhalb der Kirche müsse fortgesetzt werden. Dabei gelte es, unterschiedliche Positionen in der Bischofskonferenz konstruktiv einzubinden.

 (cph/KNA)