Leiter schont die Kardinäle nicht

Skandale in geistlichen Bewegungen Thema der Vatikan-Fastenexerzitien

Veröffentlicht am 25.02.2026 um 16:47 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Die Fastenzeit ist Gelegenheit zur Buße. Das hat offenbar auch der Leiter der diesjährigen Exerzitien im Vatikan erkannt. Der norwegische Trappistenmönch Erik Varden schont die Kardinäle nicht.

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Verfehlungen und Verfall von innen fügen der Kirche mehr Schaden zu als ihre Gegner aus der säkularen Welt. Mit dieser These hat der Leiter der diesjährigen Fastenexerzitien im Vatikan, der norwegische Trappist Erik Varden, die Leitungsebene der Römischen Kurie konfrontiert. "Es gibt höllisch stinkende Abstürze, in deren Folge die Schuldigen zugrunde gehen, und die Zerstörung zurücklassen. Und die ist oft umfassend und lang und zieht viele Unschuldige mit hinab", so Varden laut einem vom Vatikan am Mittwoch verbreiteten Manuskript.

Schaden der Kirche kommt von innen

Er fuhr fort: "Nichts hat der Kirche schlimmeren Schaden zugefügt und unseren Ruf mehr kompromittiert als die Verderbnis, die im eigenen Haus entstanden ist. Die schlimmste Krise hat der Kirche nicht die Gegnerschaft der Säkularen eingetragen, sondern die kirchliche Verdorbenheit. Die zugefügten Wunden brauchen Zeit zum Heilen, sie rufen nach Gerechtigkeit und Tränen." Insbesondere ging Varden in seinen Ausführungen auf schwere moralische Skandale in neueren geistlichen Gemeinschaften ein. In mehreren dieser Gruppierungen waren in den vergangenen Jahren schwere sexuelle Vergehen gerade in der Gründergeneration bekannt geworden.

Diese Gemeinschaften hätten zunächst einen sehr positiven Eindruck gemacht, betonte Varden. Er fragte, wie es sein könne, dass es trotz zweifellos vorhandener "Spuren der Heiligkeit" solch "entstellte Entwicklungen" gegeben habe. Als Gegenmittel dazu empfahl er, das geistliche Leben nicht als etwas anzusehen, was von der übrigen Existenz entkoppelt sei. Mit Nachdruck warnte er vor jeglicher Form eines Dualismus, der Leib und Seele trennt. "Wir müssen uns stets daran erinnern, dass das Wort Fleisch geworden ist, damit unsere leibliche Existenz vom Wort durchdrungen wird."

Bei den einwöchigen Fastenexerzitien im Vatikan hören die leitenden Mitarbeiter des Papstes täglich geistliche Vorträge in einer Kapelle im Vatikan. Diese Übung gibt es im Vatikan seit 1929. Der von Papst Leo XIV. ausgewählte Leiter der diesjährigen Exerzitien ist der Trappistenmönch Erik Varden (51). Seit 2019 ist er Bischof in Trondheim (Norwegen). (KNA)