Betroffene waren an Gestaltung beteiligt

Mahnmal gegen Missbrauch am Paderborner Dom eröffnet

Veröffentlicht am 02.03.2026 um 18:34 Uhr – Lesedauer: 

Paderborn ‐ Gut eine Woche bevor die Universität Paderborn eine Studie zu Missbrauch im Erzbistum Paderborn veröffentlicht, wurde im Dom ein Mahnmal zum Thema vorgestellt. Wie ein Memory-Spiel soll es aufdecken und erinnern.

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Im Beisein zahlreicher Betroffener ist am Paderborner Dom ein Gedenkort für Opfer sexuellen Missbrauchs eröffnet worden. Das Mahnmal in Gestalt eines überdimensionalen Tisches mit Memory-Karten soll den Skandal des Missbrauchs "aufdecken und erinnern", wie der Münchner Künstler Christoph Brech bei der Vorstellung am Montag erläuterte.

Die Oberfläche des Tisches besteht aus 25 drehbaren Metallplatten. Auf deren Unterseite sind Texte und Bilder angebracht, die in kurzen Sätzen Fälle von Missbrauch schildern und Hintergründe benennen. Formuliert und gestaltet wurden diese von Betroffenen. Das Mahnmal ist insofern unabgeschlossen, als die Unterseiten nach einer Weile neu gestaltet werden können.

Mahnmal wird auch künftig weiter gestaltet

"So können etwa Ergebnisse der in Kürze erwarteten Missbrauchsstudie später mit einfließen", nannte Brech eine Möglichkeit. Laut dem Sprecher der Betroffenenvertretung, Reinhold Harnisch, ist der jährliche kirchliche Gedenktag für Opfer von Missbrauch am 18. November eine gute Gelegenheit, neue Inhalte für einzelne Kacheln zu erwägen. Wie Kirchen- und Betroffenenvertreter mehrfach betonten, ist der Gedenkort der erste seiner Art – er wurde von allen Beteiligten gemeinsam entworfen und erarbeitet.

Harnisch erinnerte auch an den schwierigen Beginn des Gesprächs mit dem Erzbistum im Jahr 2021. Erst ab 2023 habe es konkretere Gespräche gegeben, um den Skandal im Erzbistum bekannter zu machen. Ein erster Schritt sei die Kennzeichnung von Gräbern in der Bischofsgruft des Domes gewesen. In der Folge sei eine fruchtbare und zügige Zusammenarbeit entstanden.

Erzbischof Udo Markus Bentz hält den Paderborner Dom für den richtigen Ort eines solchen Mahnmals.
Bild: ©KNA/Daniel Pilar (Archivbild)

Erzbischof Udo Markus Bentz hält den Paderborner Dom für den richtigen Ort eines solchen Mahnmals.

"Die Kathedrale verdichtet die Identität und Geschichte eines Bistums mit glanzvollen und beschämenden Aspekten", so Erzbischof Udo Markus Bentz. Deswegen sei der Dom auch der richtige Ort des Mahnmals. Damit werde auch an das Leitungsversagen der dort bestatteten Bischöfe erinnert.

An der Stirnseite des Gedenkortes ist der sogenannte "Hahnen-Hymnus" aus dem 4. Jahrhundert angebracht. Dieser erinnert an den Hahn, der krähte, nachdem der Apostel Petrus Jesus drei Mal verleugnet hatte. Passend dazu steht auf der Oberseite der 25 Kacheln der lateinische Satz "Et gallus cantavit" (Und der Hahn krähte).

Laut Dompropst Joachim Göbel vom zuständigen Metropolitankapitel gehört die Brigidenkapelle zum ältesten Teil des Domes. Sie kann sowohl direkt von der Straße her wie auch durch den Dom selbst erreicht werden. Brigida ist eine irische Heilige des 5. Jahrhunderts, die auch als Schutzpatronin der Kinder gilt. (KNA)