Würzburger Pfarrer: "Lego kann für die Bibel begeistern"

Pfarrer Thomas Elbert hat sein Hobby mit seinem Beruf verbunden. Mithilfe von Lego baut er Geschichten aus der Bibel nach und stellt diese öffentlich aus. Im Interview mit katholisch.de spricht er von den Reaktionen der Menschen und seinem veränderten Blick auf die Bibel.
Frage: Herr Pfarrer Elbert, was hat Sie dazu bewegt, biblische Szenen ausgerechnet mit Legosteinen nachzubauen?
Elbert: Einerseits war ich zur Zeit meines Studiums an der Universität Würzburg am Lehrstuhl für das Neue Testament und habe mich sehr mit der Bibel beschäftigt. Andererseits kam dann die Coronakrise. Man konnte nicht rausgehen und hatte sehr viel Zeit für Hobbys, bei mir war das das Lego bauen. Irgendwann kam mir dann die Idee, mein Hobby auch beruflich zu nutzen. Da habe ich angefangen, eine Lego-Krippe zu bauen und sie ausgestellt. Die kam so gut an, dass ich überlegt habe: Das kann ich doch auch mit biblischen Gleichnissen machen, die die Leute nicht so gut kennen und die ich ihnen näherbringen könnte.
Frage: Sie arbeiten auch als Religionslehrer. Kommen Sie mit den Legosteinen in den Unterricht?
Elbert: Ich unterrichte an einer Grundschule und wollte die Schülerinnen und Schüler mit in mein Projekt einbinden. Im Lehrplan stehen da zum Beispiel die Josefs- und Mosegeschichte. Natürlich kann ich im Unterricht nicht mit Lego bauen, deswegen biete ich seit zwei Jahren ein oder zwei Tage die Woche eine Möglichkeit an, wo die Kinder in ihrer Freizeit vorbeikommen dürfen. Eigentlich sind immer alle Kinder da, um mitzubauen. So können wir den Stoff aus dem Unterricht vertiefen, durch das bildliche Darstellen und Bauen bleibt er auch eher hängen. Zum Beispiel hatten wir dieses Jahr eine biblische Plage als Thema. Da haben die Schülerinnen und Schüler beispielsweise eine ganze Menge Frösche auf die Welt gebaut. So ein Bild bleibt bei den Kindern hängen. Generell bieten sich typische Kinderbibelgeschichten wegen all der Tiere und den Landschaften sehr an. Die Bibel ist voll von schönen Geschichten und mit Legosteinen lässt sich viel umsetzen.
Pfarrer Thomas Elbert aus Würzburg baut mit Lego Geschichten aus der Bibel nach.
Frage: Wie schaffen Sie es, die Würde und Tiefe einer Bibelszene beizubehalten?
Elbert: Legofiguren haben den Vorteil, dass sie eine große Auswahl an Köpfen mit verschiedenen Emotionen haben. Also zum Beispiel Tränen oder lachende Gesichter. Emotionen spielen beispielsweise in der Josefsgeschichte oder auch bei der Geburt Jesu eine große Rolle. Zum Beispiel kann man den Hirten glückliche oder erschrockene Gesichter geben. Dass es nicht ganz unheikel ist, ist mir bewusst, schließlich nutze ich Spielzeug. Aber es ist ein niederschwelliges Medium, um Leute für biblische Geschichten zu begeistern. Außerdem stehen die Szenen nie für sich selbst. Ich stelle auch immer Infoaufsteller daneben, auf denen die Szenen beschrieben sind und der Bibeltext abgedruckt ist.
Frage: Es gibt nicht zu jeder Szene die passenden Lego-Sets. Wie gehen Sie technisch vor?
Elbert: Früher habe ich einfach drauflos gebaut, was mir in den Sinn gekommen ist. Mittlerweile habe ich Planungsphasen, wo ich mir überlege: Was will ich bauen? Manchmal kommen auch Ideen von den Schülerinnen und Schülern. Dann überlege ich: Welche Steine benötige ich dafür? Im Internet gibt es eine Seite, auf der Händler weltweit aufgelistet werden, dort finde ich die Steine, die ich benötige. Wenn ich zum Beispiel sage, ich will jetzt nächstes Jahr Moses auf dem Berg Horeb bauen, dann gucke ich, wie viele graue Teile ich für den Berg brauche und bestelle gleich eine größere Anzahl. Da ich eigentlich alle der Szenen selbst entwerfe, kann es manchmal während der Bauphase vorkommen, dass ich mehr Steine brauche als erwartet. Dann bestelle ich einfach welche nach, oder man muss etwas an der Szene ändern.
Pfarrer Thomas Elbert entwirft die Szenen selbst.
Frage: Wie fühlen Sie sich, wenn Sie mit den Projekten anfangen?
Elbert: Also manchmal hat man nicht immer Lust drauf, sage ich ganz ehrlich. Aber dann gibt es wiederum Phasen, zum Beispiel im Urlaub, da setze ich mich gerne einen ganzen Tag an das Projekt. Je näher es an die Ausstellung geht, desto mehr Lust entwickelt man. Während der Ausstellung entsteht ein kleines Hochgefühl, das bestärkt, weiterzumachen. Das liegt auch an all den lachenden Gesichtern, die mir in der Ausstellung begegnen. Sowohl von Erwachsenen als auch von Kindern. Es gibt den Spruch: Unsere Aufgabe als Christen ist es, Freude in die Welt zu bringen. Und wenn ich dann sehe, wie viele Menschen mit freudigen Gesichtern aus der Ausstellung gehen, freue ich mich auch selbst.
Frage: Denken Sie, dass ein solch ungewöhnliches Projekt auch Menschen, die zum Beispiel aus der Kirche ausgetreten sind, den Glauben wieder näherbringen kann?
Elbert: Ich glaube nicht, dass deswegen jetzt sonntags wieder mehr Menschen in die Kirche gehen. Wichtig ist aber, dass die Leute wieder positive Erfahrungen mit der Kirche machen. Sie kommen mit mir ins Gespräch, lesen die Aufsteller und die Kinder gehen begeistert nach Hause. Einfach diesen Kontaktpunkt zu schaffen, wo Menschen glücklich nach Hause gehen und sagen können: Das war ein schöner Tag, ich habe positive Erfahrungen mit einem Seelsorger gemacht. Die Ausstellung bringt den Menschen ein Stück weit biblische Grunderfahrungen des Glaubens auf andere Art näher. Ich habe festgestellt, dass selbst manche Kindergartenkinder die typischen Kinderbibelgeschichten wie beispielsweise die Arche Noah gar nicht mehr kennen. Wenn die Kinder mit ihren Eltern kommen, fragen die Kinder ihre Eltern, was da gebaut ist und was auf den Aufstellern steht. So kommen sowohl die Erwachsenen als auch die Kinder wieder in Berührung mit der Bibel.
„Unsere Aufgabe als Christen ist es, Freude in die Welt zu bringen.“
Frage: Welche Reaktionen haben Sie besonders berührt?
Elbert: Während der ersten Ausstellung im Dezember 2023 kam eine Frau auf mich zu. Sie hat mich angesprochen und wir haben uns kurz unterhalten, bis sie irgendwann sagte, ihr Sohn hätte auch immer gerne mit Lego gespielt. Ich habe sie gefragt, warum er es nicht mehr gerne mache. Sie hat mir daraufhin erzählt, dass ihr Sohn bei einem Skiunfall tödlich verunglückt ist. Aus dieser Geschichte entstand im Grunde ein Seelsorgegespräch, und man merkte, wie gut es ihr tat, darüber zu reden. In der ersten Ausstellung kamen auch Menschen auf mich zu und haben gefragt, wo sie denn spenden könnten. Daraufhin habe ich eine Spendenbox eingerichtet. Das Geld geht an das Kinderdorf in Riedenberg, unweit von der Pfarrei. Ich bin letztens mit den Spenden, insgesamt waren es 2.400 Euro, dorthin gefahren, um sie zu übergeben. Die Kinder des Kinderdorfs kamen dieses Jahr sogar mit einer Gruppe zu Besuch in die Ausstellung, das war wirklich schön.
Frage: Hat sich Ihr eigener Blick auf den Glauben und die Bibel durch das kreative Arbeiten verändert?
Elbert: Ich glaube schon. Man entdeckt die Bibel nochmal neu, weil man die Geschichten und biblischen Erzählungen ganz anders unter die Lupe nimmt. Ich lese die Bibel viel intensiver, wenn ich auf der Suche nach Motiven bin. Man achtet auf Details, die man vorher vielleicht überlesen hat oder wo einem nochmal etwas Neues aufgeht. Manchmal gehört dazu auch, in andere Übersetzungen zu gucken, um zu sehen, wie die Details dort aussehen. Das Projekt inspiriert mich, mich noch mehr in die biblischen Geschichten hineinzuversetzen. Ich möchte den Leuten zeigen: Die Bibel ist kein verstaubtes altes Buch, sondern es sind Geschichten mit Erfahrungen, die Menschen mit Gott gemacht haben und bis heute machen. Und da hat uns die Bibel als Buch der Bücher immer noch ganz viel zu sagen und kann uns Stützte sein für unseren eigenen Glaubensweg.