"Ganz offensichtlich umfassende Reformen" nötig

Ex-kfd-Chefin König begründet Rücktritt mit Richtungsstreit

Veröffentlicht am 30.03.2026 um 14:48 Uhr – Lesedauer: 

Berlin/Freiburg ‐ Interner Streit über Reformen, Finanzen und Ausrichtung: Ex-Chefin König sieht die kfd von ihrer Basis entfernt. Ihr Abgang soll eine Debatte anstoßen. Die Führung setzt auf behutsame Weiterentwicklung.

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Die zurückgetretene Bundesvorsitzende der Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Anne König, hat ihren Schritt mit tiefgreifenden internen Konflikten begründet. In ihrer Stellungnahme, die der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt, schreibt sie von einer Kluft, die sie zwischen Basis und Verbandsebene sehe. Ihr Rücktritt solle eine notwendige interne Debatte anstoßen. Zuerst hatte die Plattform "communio.de" berichtet.

König verweist in ihrer Stellungnahme auf grundlegende Differenzen über Reformen und Kurs des Verbands. Sie kritisiert dabei eine Fokussierung überörtlicher Gremien auf politische Stellungnahmen. Diese dürften weder die Bindung an die Heilige Schrift noch die Wertschätzung der Basisarbeit verdrängen. Andernfalls drohe weitere Entfremdung.

Kritik an Schwerpunktsetzung

Scharfe Kritik übt sie an steigenden Mitgliedsbeiträgen: Es sei "nicht zu vermitteln, dass sie in diesen Zeiten höhere Mitgliedsbeiträge entrichten". Stattdessen plädiert König für Einsparungen und niedrigere Beiträge, auch durch geringere Aufwandsentschädigungen im Vorstand. Inhaltlich fordert sie eine stärkere Ausrichtung auf die Ortsgruppen. Viele Mitglieder seien über die lokale Ebene zur kfd gekommen. Der Bundesverband müsse diese Arbeit stärker unterstützen.

Gespräche mit der Basis hätten sie bestärkt, "dass sich ein Engagement in dieser christlichen Gemeinschaft lohnt und dass sie es Wert ist, dass wir ihre Zukunft sichern", so König. Zugleich seien "ganz offensichtlich umfassende Reformen" nötig.

Reaktion der kfd

Der Bundesverband betonte am Montag auf KNA-Anfrage dagegen sein Selbstverständnis als Interessenvertretung von Frauen in Kirche, Politik und Gesellschaft mit dem Ziel der Gleichberechtigung. Glaube, Vielfalt und Gemeinschaft gehörten zusammen. Zugleich verweist er auf seine mehrstufige Struktur und den Auftrag, auch gesellschaftspolitisch Stellung zu beziehen. Reformen würden in einem laufenden Prozess "behutsam" weitergeführt – unter Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven und mit Blick auf die finanzielle Lage.

Die CDU-Politikerin König hatte das Amt seit Juni 2025 inne. Bis zur Wahl einer Nachfolgerin werde die Arbeit von den stellvertretenden Vorsitzenden Ulrike Göken-Huismann und Lucia Lagoda übernommen, hieß es am Freitag. – Die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands ist mit rund 265.000 Mitgliedern der größte katholische Frauenverband und einer der größten Frauenverbände Deutschlands. (KNA)