Kirchen müssten lauter auftreten

Theologin Käßmann wünscht sich mehr Einsatz für den Frieden

Veröffentlicht am 03.04.2026 um 09:15 Uhr – Lesedauer: 

München ‐ Die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland bleibt der Friedensbewegung verbunden. Und wünscht von den Kirchen mehr Einsatz für diplomatische Verhandlungen anstelle von Waffenlieferungen.

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Die evangelische Theologin Margot Käßmann wünscht sich mehr Einsatz für den Frieden – auch von den Kirchen. "Der Krieg in der Ukraine, die Aufrüstung im eigenen Land und in ganz Europa und jetzt der Krieg im Iran, im ganzen Nahen Osten – das alles beunruhigt die Menschen massiv", sagte Käßmann in einem am Karfreitag veröffentlichten Interview von web.de.

Die Kirchen müssten lauter auftreten, forderte die ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Es sei wichtig, dass es anstelle von immer neuen Waffenlieferungen deutliche Rufe nach Deeskalation und Verhandlungen gebe. Reden müsse man auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, betonte Käßmann. "Mir wird dann immer gesagt, mit Putin könne man nicht verhandeln. Aber selbst der syrische Übergangspräsident, der früher ein islamistischer Terrorist war, wird doch in Berlin empfangen."

Kritik an EKD-Friedensdenkschrift

Kritisch äußerte sich die evangelische Theologin zu der im November vergangenen Jahres veröffentlichten EKD-Friedensdenkschrift. Dort heiße es, der Besitz von Atomwaffen könne politisch notwendig sein. "Da entgegne ich ganz klar: Atomwaffen gehören abgeschafft. Ich habe sowohl Hiroshima als auch Fukushima nach dem Atomunglück besucht. Ich kann nicht verstehen, wie man angesichts dieser Zerstörungskraft Atomwaffen auch nur ansatzweise rechtfertigen kann."

Auf die Frage, ob sie am Wochenende für den Frieden auf die Straße gehe, antwortete Käßmann: "Auf jeden Fall gehe ich an Karfreitag und Ostersonntag in den Gottesdienst. Und am Samstag wohl auch zu einer Friedensdemonstration." Zugleich bedauerte sie, dass diese Form des Protests inzwischen in Teilen der Öffentlichkeit in Verruf geraten ist. "Wer für den Frieden demonstriert, dem wird automatisch Russlandnähe vorgeworfen. Hinzu kommt der Vorwurf, die Friedensbewegung werde vom sehr weit rechten Spektrum gekapert."

Sie empfinde den Vorwurf als falsch, betonte die Theologin. "Die Deutsche Friedensgesellschaft hat immer klargemacht, dass auf Veranstaltungen keine Plakate von Parteien erwünscht sind. Alles wird darangesetzt, solche Kaperungsversuche zu verhindern. Das ist nicht immer einfach." Seit der Corona-Krise mischten sich Querdenker, AfD-Vertreter und Russland-Versteher unter die Demonstranten. "Das macht die Gemengelage schwieriger als in den 80er Jahren. Nach meiner Erfahrung sind die Friedensbewegten aber in der Regel reflektierte Leute, die sich nicht für dumm verkaufen lassen." (KNA)