Papst fleht um Frieden in "dramatischer Stunde der Geschichte"
Mit dramatischen Worten hat Leo XIV. die Staats- und Regierungschefs zur Beendigung der Kriege in Nahost und weltweit aufgefordert. "Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!", rief er ihnen am Samstagabend im Petersdom zu. "Setzt euch an den Tisch des Dialogs und der Vermittlung, nicht an die Tische, an denen die Aufrüstung geplant und tödliche Maßnahmen beschlossen werden!", so der Papst beim Friedensgebet vor rund 8.000 Menschen in der Basilika.
Bereits "ein Fünkchen Glaube" genüge, um gemeinsam als Menschheit "dieser dramatischen Stunde der Geschichte zu begegnen", betonte er. Das Gleichgewicht in der Menschheitsfamilie sei schwer erschüttert. Sogar der heilige Name Gottes werde "für Todesreden" herangezogen. Zuletzt hatte der Papst betont, dass Gott keine Konflikte segne und Christen nicht auf der Seite derer stehen könnten, "die Bomben abwerfen".
Schluss mit der Selbstsucht
"Schluss mit der Selbstvergötterung und mit der Vergötzung des Geldes!", rief der Papst bei der Gebetswache im Petersdom aus. "Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!" Wahre Stärke zeige sich im Dienst am Leben.
Auch zitierte er Worte von Johannes Paul II. (1978-2005) während des Irakkriegs 2003: "Ich gehöre zu jener Generation, die den Zweiten Weltkrieg erlebt und überlebt hat. Ich habe die Pflicht, allen jungen Menschen, allen Jüngeren, die diese Erfahrung nicht gemacht haben, zu sagen: 'Nie wieder Krieg!'" Weiter sagte er: "Diesen so aktuellen Appell mache ich mir heute Abend zu eigen."
„Möge der Wahnsinn des Krieges ein Ende finden!“
Auch wenn die Regierenden eine nicht delegierbare Verantwortung trügen, so sei doch die "riesige Menge, die den Krieg ablehnt", ebenso wie Gemeinden und Zivilorganisationen, zum tatkräftigen Einsatz für den Frieden aufgerufen. "Vereinen wir also die moralische und geistliche Kraft von Millionen, ja Milliarden von Männern und Frauen, von Alten und Jungen, die heute an den Frieden glauben, die sich heute für den Frieden entscheiden, die die Wunden heilen und die Schäden beheben, die der Wahnsinn des Krieges hinterlassen hat".
Dabei erinnerte er insbesondere an das Schicksal von Kindern in Konfliktgebieten, von denen er viele Briefe erhalte. "Wenn man sie liest, erkennt man angesichts ihrer Unschuld das ganze Grauen und die Unmenschlichkeit von Taten, mit denen sich manche Erwachsene stolz brüsten", kritisierte Leo XIV.
Glaube an gute Politik
"Lasst uns wieder an die Liebe, an Mäßigung und an gute Politik glauben. Bilden wir uns entsprechend und bringen wir uns persönlich ein, jeder entsprechend seiner Berufung", appellierte der Papst. "Möge der Wahnsinn des Krieges ein Ende finden", schloss Leo XIV.
Bei der gut einstündigen Feier im Petersdom wurde der Rosenkranz gebetet, ein traditionelles katholisches Mariengebet. Seiner Initiative zum Gebet für den Frieden parallel zu den Verhandlungen für ein Ende des Irankriegs hatten sich weltweit zahlreiche Kirchen und Organisationen angeschlossen. (KNA)
