Zerstörung von Jesusfigur – Israels Außenminister entschuldigt sich
Die Zerstörung einer Jesusfigur durch einen israelischen Soldaten im Süden des Libanon zieht weiter Kreise. In der Nacht zu Montag hatte Israels Armee die Echtheit des Bildes bestätigt, das zuvor bereits in Sozialen Medien zirkulierte. Israels Außenminister Gideon Saar äußerte sich schockiert über den Vorfall und bat um Entschuldigung. Das Hilfswerk missio Aachen sieht die Tat derweil in einem größeren Kontext von Christenfeindlichkeit in der Region.
Die Armee bestätigte nach einer internen Untersuchung, dass es sich bei dem Soldaten, der auf den Kopf einer liegenden Christusfigur am Kreuz mit einem Hammer einschlägt, tatsächlich um ein Mitglied der israelischen Streitkräfte handelt. Das Verhalten des Soldaten sei "vollkommen unvereinbar mit den von den Truppen erwarteten Werten", erklärte sie und kündigte Konsequenzen für alle Beteiligten an.
Die Armee habe "kein Interesse daran, zivile Infrastruktur inklusive religiöser Gebäude oder Symbole zu zerstören". Gleichzeitig solle die christliche Gemeinschaft, zu der das Kruzifix gehöre, bei dessen Wiederherstellung unterstützt werden. – Etwa ein Drittel der libanesischen Bevölkerung bekennt sich zum Christentum.
Außenminister entschuldigt sich
Der Außenminister dankte der Armee für die Aufklärung und die angekündigten Strafmaßnahmen. Diese schändliche Tat "widerspricht vollkommen unseren Werten", so Saar. "Wir entschuldigen uns für diesen Vorfall bei allen Christen, deren Gefühle dadurch verletzt wurden."
Auch das katholische Hilfswerk missio Aachen verurteilte den Vandalismus. Man hoffe, dass Israels Regierung die angekündigte Aufklärung umfassend vorantreibe, die notwendigen Konsequenzen ziehe und sich entschuldige, betonte missio-Präsident Dirk Bingener. Auch die Bundesregierung solle sich dafür einsetzen. Aus Sicht von Bingener, der sich den Angaben zufolge derzeit in Ägypten aufhält und dort auch Gespräche mit Christen aus dem Libanon geführt hat, steht der Vorfall sinnbildlich für die derzeitige Lage der Christen im Südlibanon.
Rund 5.000 Familien seien durch Israels Militäraktion derzeit vom Rest des Landes abgeschnitten; über ihr Schicksal gebe es keine Informationen. Gleichzeitig gebe es Hinweise darauf, dass trotz der Waffenruhe gezielt Häuser abgerissen und Land zerstört werde, um eine Rückkehr der Bevölkerung zu verhindern. Derzeit seien offenbar noch keine christlichen Dörfer betroffen. "Doch dieses Vorgehen schürt bei unseren Partnern große Ängste", so der missio-Präsident. (KNA)
20.4., 11:06 Uhr: Ergänzt um missio.
