Vatikan darf ab sofort komplett auf Solarstrom setzen
Als erster Staat der Welt kann der Vatikan demnächst mehr Solarstrom produzieren, als er selbst verbraucht. Ein völkerrechtlicher Vertrag mit Italien, der dies ermöglicht, ist am Donnerstag in Kraft getreten. Das teilte das vatikanische Presseamt mit.
Der Vertrag zwischen dem Heiligen Stuhl und der Italienischen Republik wurde bereits am 31. Juli 2025 unterzeichnet, die Ratifizierung zog sich danach etwa zehn Monate hin. Gemäß dem Vertrag kann der Vatikan nun auf einem rund 420 Hektar großen Gelände nördlich von Rom eine riesige Photovoltaik-Anlage errichten, die etwa zehnmal größer ist als das eigene Staatsgebiet von 44 Hektar.
Eine Idee von Papst Franziskus
Das Gelände bei Ponte Galeria ist gemäß den Lateranverträgen von 1929 exterritorial und gehört dem Vatikan. Über Jahrzehnte nutzte der Papst-Staat es vor allem zum Betrieb von großen Kurz- und Mittelwelle-Sendemasten für Radio Vatikan. Dieser Verbreitungsweg für vatikanische Medien hat jedoch seit längerem an Bedeutung verloren. Die Idee zur Umnutzung für eine Photovoltaik-Farm geht auf Papst Franziskus (2013–2025) zurück.
Laut dem nun in Kraft getretenen Vertrag speist der Vatikan künftig den bei Ponte Galeria gewonnenen Solarstrom ins italienische Netz ein und kann umgekehrt kostenlos Strom aus diesem Netz beziehen. Wenn der auf vatikanischem Terrain erzeugte Strom den Eigenbedarf übertrifft, geht die überzählige Energie ins Eigentum des italienischen Staates über.
Wenn der Vatikan das gesamte ihm gehörende Gelände bei Ponte Galeria mit Solar-Paneelen bedecken würde, könnte er bis zu 200 Millionen Kilowattstunden jährlich produzieren. Das wäre mehr als das Zehnfache des Eigenbedarfs des kleinsten Staates der Welt. (KNA)
