Leos Enzyklika zur KI ist erfreulich konkret
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Blonde Frauen im Badeanzug oder in Militäruniform überschütten derzeit in Videos US-Präsident Donald Trump mit Lob und beschimpfen seine Gegner. Keine echten Frauen, sondern Produkte der Künstlichen Intelligenz (KI), eingesetzt im US-Wahlkampf. Was echt ist und was nicht, lässt sich immer schwerer erkennen. Mit rasantem Tempo greift KI in unseren Alltag, die Arbeitswelt und Kriege ein und verändert alles.
Genau deshalb trifft die Enzyklika "Magnifica humanitas" den Nerv der Zeit. Der hochaktuelle Text von Papst Leo XIV. zu den Auswirkungen der KI ist von Fachkenntnis geprägt und hat zu Recht weltweit ein positives Medienecho gefunden. Hier zeigt sich, was die katholische Kirche, was der Vatikan kann: mit moralischer Autorität auf die Menschenwürde und soziale Ungerechtigkeit hinweisen, an mögliche Gefahren und Verlierer erinnern, Regeln einfordern. Denn die KI lässt ist nicht moralisch neutral betrachten und es reicht nicht, sich auf die "unsichtbare Hand" des Marktes zu verlassen.
"Ein wertvolles Hilfsmittel, das Vorsicht erfordert": So nennt der Papst die KI in dem Lehrschreiben und würdigt den von Gott vermittelten Erfindergeist des Menschen. Gut so, denn es wäre zu einseitig, KI pauschal zu verteufeln. Was Leo XIV. mit Unterstützung von Experten schreibt, hat Gewicht. Der amerikanische Papst mit Smartwatch am Handgelenk, ein studierter Mathematiker und analytischer Denker, stellt sich damit in Gegensatz zu den Hightech-Milliardären des Silikon Valley, die meinen, sie könnten fast alles machen und kaufen. Weder Peter Thiel noch Elon Musk und Donald Trump dürften seine Mahnungen gefallen.
Doch diese Enzyklika ist mehr als eine persönliche Auseinandersetzung mit superreichen Konzernlenkern in Kalifornien. Sie ist erfreulich konkret und fast schon zu vielschichtig und leider nicht leicht zu lesen. "Magnifica humanitas" hat die Chance, zu einem ethischen Leitbild zu werden. Sich mit dem Lehrschreiben zu beschäftigen, lohnt sich – auch ohne KI-generierte Zusammenfassung.
Der Autor
Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
