Woelki verteidigt Vorgehen bei mutmaßlichem Missbrauchsfall

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki zeigt sich überzeugt, dass sein Umgang mit einem Missbrauchsverdachtsfall von 2015 der damaligen kirchenrechtlichen Praxis entsprach. Die diesbezügliche Meldung sei "anonym, abstrakt und bis heute unbelegt" gewesen, zitiert der Newsletter des "Kölner Presseclubs" am Freitag den Erzbischof. Dennoch habe er alle verfügbaren Möglichkeiten genutzt, um zu einer Einschätzung zu kommen.
Hinzugezogene Experten hätten damals kein weiteres Vorgehen empfohlen, "da bei einer anonymen und inhaltlich völlig abstrakten Meldung nach damaliger Einschätzung kein Ermittlungs- und Aufklärungserfolg erreicht werden konnte". Zugleich verwies Woelki darauf, dass sich die Praxis inzwischen geändert habe. Heute gebe man auch "anonyme und abstrakte Meldungen" an die Staatsanwaltschaft weiter: "Heute würde bei einer vergleichbaren Ausgangslage anders gehandelt." Deshalb liege auch der genannte Missbrauchsverdachtsfall seit Ende des vergangenen Jahres bei den Behörden.
Fall schon unter Vorgänger bekannt
Ein Zwischenbericht der Unabhängigen Aufarbeitungskommission für das Erzbistum hatte Anfang Mai den Fall eines Geistlichen angeführt, gegen den es schon unter dem früheren Kölner Kardinal Joachim Meisner anonyme Anschuldigungen gab, dann erneut 2015 unter Woelki. Außerdem meldete sich nun eine namentlich bekannte Person, "die aber nichts Konkretes beitrug", so der Newsletter. Ein Gutachten des Kölner Strafrechtlers Björn Gercke habe dem Erzbistum hier keine Fehler angelastet. Die Kommission bewertete es jetzt anders: "Wenigstens" der anonyme Hinweis von 2015 hätte zu Meldungen an Glaubenskongregation und Staatsanwaltschaft führen müssen.
Ungeachtet seines 70. Geburtstags im August denkt Woelki eigenen Angaben zufolge nicht an einen Rückzug: "Wenn ich ehrlich bin, dann hat mir mein Amt eigentlich nie mehr Freude bereitet als derzeit", zitiert ihn der Newsletter. Auf die Frage, ob er sein Amt nicht manchmal gerne an einen Jüngeren abgeben würde, antwortete er: "Nein, überhaupt nicht." (KNA)