Papstreise nach Spanien: Heikle Themen in einem polarisierten Land

Das quirlige Madrid, das künstlerische Barcelona, die Insel-Paradiese Teneriffa und Gran Canaria: Was nach erholsamem Sommerurlaub klingt, wird für den Papst eine wenig entspannte Reise werden. Ab Samstag (bis 12. Juni) besucht Leo XIV. mit Spanien ein stark polarisiertes Land mit einer katholischen Kirche, die sich nach vielen Skandaljahren aufgrund fehlender Missbrauchsaufarbeitung nun ausgerechnet an der Seite einer laizistisch-sozialistischen Regierung wiederfindet.
Jene Institution, die über Jahrzehnte eine Stütze der Franco-Diktatur war, verteidigt jetzt den liberalen Migrationskurs des linken Regierungschefs Pedro Sánchez. Der seinerseits von Korruptionsskandalen geplagte und ohne parlamentarische Mehrheit regierende Sozialist war wenige Tage vor Leos Visite nach Rom geeilt.
Nach seiner Audienz im Vatikan überschlug er sich förmlich mit Lob für den Papst. "Seine Worte spornen uns an, die Menschenwürde zu verteidigen, die Schwächsten zu schützen und Hoffnung für eine Welt zu geben, die nach Frieden strebt", so der innenpolitisch angeschlagene Ministerpräsident.
Distanz nach rechts
Leo XIV. soll Spaniens Bischöfen bereits im November zu einer klaren Distanzierung von den extremen Rechten des Landes geraten haben, die unablässig gegen den Kurs der Regierung in Sachen Zuwanderung wettern. Ihrer Kritik dürfte auch der Papst bald ausgesetzt sein, denn das Thema Migration ist ein Schwerpunkt seiner vierten Auslandsreise.
An zwei seiner vier Reiseziele widmet sich der Papst der Lage der Migranten. Leo XIV. wird die unter hohem Migrationsdruck stehenden Kanarischen Inseln vor der Küste Afrikas besuchen. Auf Gran Canaria und Teneriffa sind Treffen geplant mit Geflüchteten und jenen, die sie unterstützen.
Ein Thema der Reise ist die Migration.
Auch auf dem Festland kann Leo XIV. ein Zeichen für Willkommenskultur setzen; dort besucht er Barcelonas Migrantenviertel Raval. Als "multikulturelle Kloake" bezeichnete die rechtspopulistische Vox-Partei diesen Ort. Ihre Vertreter sind es, die Spaniens Bischöfe für ihre Haltung gegenüber Einwanderern scharf attackieren – bis hin zum Vorwurf, ihre Hilfswerke profitierten von illegaler Einwanderung.
Doch wenngleich Vertreter von Kirche und sozialistischer Minderheitsregierung in diesem Punkt übereinstimmen, liegen sie in anderen Fragen klar über Kreuz. Die Missbrauchsaufarbeitung, die erst nach großem öffentlichen Druck und Interventionen der Regierung schleppend in Gang kam, beschädigte das Ansehen der Kirche schwer. Erst Anfang 2026 und nach fast dreijährigen Verhandlungen einigten sich Kirche und Regierung auf ein Entschädigungssystem für Opfer sexualisierter Gewalt.
Für Debatten zwischen Kirche und Staat sorgen zudem Pläne für ein noch weiter liberalisiertes Abtreibungsgesetz sowie die Erlaubnis von aktiver Sterbehilfe. Bei diesen ethischen Fragen positioniert sich ein Papst stets für den Lebensschutz; weitere Themen also, die beim Spanienbesuch von Leo XIV. für Debatten sorgen könnten.
Debatte um Erbe des Bürgerkriegs
Im Hintergrund schwelt zudem die Debatte um den Umgang mit dem Erbe des spanischen Bürgerkriegs (1936-1939), in dem Linke erbitterte Feinde der Kirche waren. Noch am 22. Mai erkannte Leo XIV. das Martyrium von 80 katholischen Geistlichen und Laien an, die im Bürgerkrieg von antiklerikalen Kämpfern getötet wurden.
Seit der jüngsten Spanien-Reise eines Papstes 2011 haben sich Land und Katholizismus stark gewandelt. Doch eins ist geblieben: die Dauerbaustelle der berühmten Basilika Sagrada Família in Barcelona. Vor 15 Jahren weihte Benedikt XVI. die Kirche, das Hauptwerk des Architekten Antoni Gaudí. An dessen 100. Todestag und 140 Jahre nach Baubeginn ist das Gotteshaus nun fast vollendet – und besitzt mit dem 172,50 Meter hohen Jesus-Christus-Turm nun den höchsten Kirchturm der Welt. Leo XIV. will ihn am Mittwoch (10. Juni) feierlich einweihen – ein Programmpunkt womöglich ganz ohne Kontroversen.