Kardinal Woelki kritisiert Streitkultur in der Kirche

Für den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat die Kirche in den vergangenen Jahren kein gutes Bild in der Öffentlichkeit abgegeben. "Wer wollte denn da noch Christ sein? Wer hatte denn da noch Lust, irgendwo in eine Gemeinde oder in eine Diözese zu kommen? Da haben wir uns geprügelt wie die Kesselflicker", sagte der Kölner Erzbischof beim Glaubensfestival "Kommt & seht", das von Donnerstag bis Sonntag in Köln stattfand. Der Streit und der Dialog gehörten zwar zur Kirche dazu. Das habe es schon in der Apostelgeschichte gegeben. "Aber dann haben die Apostel die Beschlüsse gefasst und dann ist man in Einheit miteinander gegangen", so der Erzbischof weiter.
In Gesellschaft und Kirche sieht Woelki eine zu starke Betonung des Negativen. Wenn permanent nur das Schlechte gesehen werde, mache das Gesellschaft und Kirche kaputt. Er plädierte dafür, sich anzugewöhnen, das Gute zu sehen und über das Gute zu sprechen und den anderen in seinem Bemühen zu sehen, auch wenn etwas nicht gelingt: "Das verändert eine Atmosphäre. Und das gibt Kraft zum Aufbauen und zum Gehen und zum Miteinander Kirche sein."
Willkommenskultur entscheidend
Für die Kirche sei daher heute eine Willkommenskultur entscheidend, "eine Atmosphäre des Heiligen Geistes, wo wir gut miteinander und gut übereinander sprechen". Das helfe dabei, sich in einer Gemeinde willkommen zu fühlen und offen für die Botschaft des Evangeliums zu sein, so Woelki. Eine Maßnahme im Erzbistum Köln sei die Gründung von vier neuen Gemeinden. "Wir gründen Gemeinden aus Sehnsucht nach den Menschen, die wir bisher nicht erreichen", sagte dazu die Leiterin des Fachbereichs "Evangelisierung" im Erzbistum Köln, Tabea Wiemer, bei der Veranstaltung.
Das Glaubensfestival "Kommt & seht" fand zum zweiten Mal in Köln statt. Das Motto der diesjährigen Veranstaltung war "Die Eucharistie als Quelle unserer Einheit". Nach Angaben der Erzdiözese nahmen etwa 2.500 Besucher an der Veranstaltung teil, um Workshops, Vorträge und Gebetszeiten zu erleben. Im kommenden Jahr findet die Veranstaltung wieder am Wochenende von Fronleichnam Ende Mai statt. Eine Anmeldung ist bereits möglich. (fxn)