Polizei prüft Straftaten nach Störung einer Messe in Osnabrück
Im Fall einer Gottesdienststörung am Sonntag in Osnabrück haben sich drei Personen bei der Polizei gemeldet. Sie hätten eingeräumt, an dem Vorfall beteiligt gewesen zu sein, teilte die Polizei auf Anfrage der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Montag mit. In der katholischen Kirche Maria Königin des Friedens in Osnabrück hatten nach Polizeiangaben gegen 11:40 Uhr sechs oder sieben Männer die Messfeier gestört. "Die Männer stellten sich in bedrohlicher Weise nebeneinander auf und unterhielten sich lautstark. Sie zeigten auf verschiedene Bereiche und einzelne Personen, was für viele Besucher einschüchternd wirkte", heißt es dazu in einer Polizeimeldung von Sonntag.
Anschließend hätten die Männer Flyer und Bibeln verteilt und dabei Ausdrücke wie "Dämon", "Hurensöhne" oder Sätze wie "Die Kirche ist eine Hure" und "Ihr seid alle Massenmörder" geschrien. Laut Polizei hatten Pastor und Kirchenvorstand keinen Erfolg mit dem Versuch, die Männer mittels Hausverbot der Kirche zu verweisen. Beim Eintreffen der herbeigerufenen Polizei seien die Störer allerdings nicht mehr vor Ort gewesen.
Ermittlung wegen Religionsbeschimpfung
Wie ein Polizeisprecher nun mitteilte, werde aktuell wegen des Verdachts auf Religionsbeschimpfung, Störung der Religionsausübung sowie Hausfriedensbruch ermittelt. Es werde geprüft, ob weitere Straftatbestände in Betracht kommen. Philip Hergt, Geschäftsführer des Krisenstabs des Bistums Osnabrück, erklärte der KNA, man sei im engen Austausch mit der Polizei. Bei Gesprächsbedarf stünden Bistumsleitung und Kirchengemeinde den Mitarbeitenden und betroffenen Gottesdienstbesuchern zur Verfügung. Das Ereignis hinterlasse Fragezeichen, aber keine völlig irritierte Gemeinde, sagte Hergt. Aktuell prüfe man auf allen Ebenen, wie man ähnlichen Störungen in Zukunft begegnen wolle. Die Polizei empfiehlt Gottesdienstbesuchern, sich in solchen Fällen ruhig zu verhalten und sofort die 110 zu wählen.
Einen islamistischen Hintergrund schließt die Polizei aus. Näheres ist Gegenstand von aktuellen Ermittlungen. Hergt sagte, ähnliche Flyer, wie sie in Maria Königin des Friedens verteilt wurden, seien auch schon in anderen Kirchen aufgetaucht. Allerdings sei der Störungsvorfall bisher einzigartig. Der Bistumsmitarbeiter betonte: "Wir werden niemandem den Mund verbieten, solange man sich an die Regeln des zwischenmenschlichen Diskurses hält." Im konkreten Fall prüfe das Bistum weitere rechtliche Schritte. (KNA)
Hinweise
Die Polizei bittet Zeugen des Vorfalls, sich unter Telefon 0541/327-2115, -2215 oder -2515 zu melden.
