Rückgang der Studierenden

Staatskirchenrechtler: Zahl der Theologiestandorte wird sich halbieren

Veröffentlicht am 10.06.2026 um 14:20 Uhr – Lesedauer: 

Göttingen ‐ Theologie ist an deutschen Hochschulen gut vertreten – doch wie lange noch? Durch sinkende Studierendenzahlen droht ein Kahlschlag, warnt Hans Michael Heinig. Er rät: Gestalten, solange es noch geht.

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Die Zahl der Standorte theologischer Institute und Fakultäten wird sich nach Ansicht des Göttinger Staatskirchenrechtlers Hans Michael Heinig absehbar halbieren müssen. Die Fakultäten müssten sich anders organisieren als bisher, um die Theologie als leistungsstarke wissenschaftliche Disziplin zu erhalten, sagte der Jurist im Interview mit "Christ und Welt". Aus wissenschaftlicher Sicht seien viele Kleininstitute nicht sinnvoll. "Stattdessen plädiere ich für größere, schlagkräftige Einheiten. Wissenschaft verlangt Spezialisierung", so Heinig weiter. Eine Fakultät mit 15 Professuren könne überdurchschnittlich mehr leisten als ein Institut mit dreien.

Heinig, der das Kirchenrechtliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) leitet, spricht sich dafür aus, zu handeln, solange man noch gestalten könne: "Sonst droht ein Kahlschlag." Dass Stellen in der Theologie wegfielen, sei angesichts der aktuellen Entwicklung der Studierendenzahlen nicht zu vermeiden. "Wer der Tradition Rechnung tragen will, muss jetzt die Weichen stellen, damit die Theologie als leistungsfähige Wissenschaft eine Zukunft hat", betonte er.

Mehr Kooperation und Profilbildung

Ein Lösungsansatz könne eine verstärkte ökumenische Kooperation in Fächern sein, bei denen das gut möglich sei. Heinig nannte als Beispiel Altes und Neues Testament: "Braucht man wirklich in beiden Konfessionen am selben Ort vier Professoren mit dem gleichen Fachgebiet? Reichen nicht zwei, die dann katholische und evangelische Studenten unterrichten?" So werde es bereits erfolgreich an den US-amerikanischen Divinity schools gehandhabt. Neben stärkerer Kooperation schlägt Heinig außerdem eine Profilierung von Standorten vor: "Manche konzentrieren sich auf die Pfarrausbildung, andere auf den Lehrernachwuchs oder disziplinübergreifende Studiengänge."

Die Zahl der Theologie-Studierenden ist seit Jahren rückläufig. Während die gesamten Geisteswissenschaften in den vergangenen sechs Jahren einen Schwund von 12,5 Prozent verzeichneten, brach die Zahl der Studierenden im theologischen Vollstudium im selben Zeitraum um rund 50 Prozent ein. (fxn)