Luisa Maurer über das Sonntagsevangelium

Wie soll ich das alles schaffen?

Veröffentlicht am 13.06.2026 um 09:30 Uhr – Von Luisa Maurer – Lesedauer: 
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Trier ‐ "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenige Arbeiter", heißt es im heutigen Sonntagsevangelium. Luisa Maurer kennt das Gefühl der Überforderung mitten im Alltag. Genau dort erlebt sie einen Moment, der alles verändert.

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Es war einer dieser Tage, an dem ich das Gefühl hatte, dass meine To-Do-Liste einfach nicht kürzer wird. Ich saß im Büro und hatte gefühlt 1000 Dinge zu erledigen. Eine Radioaufnahme hier, eine Jugendfreizeit zu organisieren dort, E-Mails füllten mein Postfach. Gestresst klappte ich den Laptop zu, nur um mir in Erinnerung zu rufen, dass es zu Hause auch nicht besser aussah. Die Wäsche türmte sich im Korb, bei meinem Patenkind wollte ich mich doch noch melden und saugen sollte ich dringend nochmal. Dann klingelte es an der Tür. Das auch noch, dachte ich mir. Es war unsere Reinigungskraft. Na, die hatte mir gerade noch gefehlt, das passte mir ja zeitlich gar nicht in den Kram.

Beim heutigen Tagesevangelium denke ich an diese Situation zurück. Da heißt es: "Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter." Jesus sieht viele Menschen, die verloren scheinen und er sendet seine zwölf Jünger aus, sich zu kümmern. Sie sollen das Himmelreich verkünden und sich um die sorgen, die verloren scheinen. Ich weiß nicht, was die zwölf dachten, als Jesus sie sendet. Zugegebenermaßen, sie haben einen anderen Auftrag als ich – bei ihnen geht es weniger um To-Dos und um Wäscheberge. Wenn ich mich in sie hineinversetze, bekomme ich dennoch ein ähnliches Gefühl: Es gibt so unendlich viel zu tun, wir sind wenige, wie soll ich das alles schaffen?

Ich ließ alles stehen und liegen

An diesem besagten Tag, als die Reinigungskraft in meinem Büro stand, krümmte sie sich plötzlich vor Schmerzen. Ich ließ alles stehen und liegen, holte ein Glas Wasser und nahm sie in den Arm. Sie vertraute mir ihre Lebensgeschichte an, angefangen von ihrer Trennung, über die Sorge als alleinerziehende Mutter für ihre Kinder da zu sein, als Nicht-Muttersprachlerin in Deutschland klarzukommen und schließlich ihre Krankheit. Plötzlich spielte für mich keine To-Do-Liste mehr eine Rolle. Ich hörte einfach nur zu, half ihr, mit ihrem Arbeitgeber zu sprechen und fuhr sie mit dem Auto nach Hause. Die Wäsche und Abgabetermine waren nicht mehr wichtig, die nächsten Schritte für mich völlig klar.

Jesus gibt seinen Jüngern den Auftrag: "Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus!" Wie sollen sie, wie soll ich das alles schaffen? Vielleicht fühlt es sich manchmal an, als ob der liebe Gott mir einfach zu viel zumutet. Oft gab es in meinem Leben Menschen, die mich dann unterstützt haben, einfach für mich da waren. Vielleicht ist es das, was Jesus meint, wenn er sagt: "Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben." Trotz allem, was sich gerade zu viel anfühlt, ein offenes Ohr für andere haben – das ist vielleicht ein Anfang.

Evangelium nach Matthäus (Mt 9,36–10,8)

In jener Zeit, als Jesus die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren müde und erschöpft wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Da sagte er zu seinen Jüngern: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden! Dann rief er seine zwölf Jünger zu sich und gab ihnen die Vollmacht, die unreinen Geister auszutreiben und alle Krankheiten und Leiden zu heilen.

Die Namen der zwölf Apostel sind: an erster Stelle Simon, genannt Petrus, und sein Bruder Andreas, dann Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und sein Bruder Johannes, Philíppus und Bartholomäus, Thomas und Matthäus, der Zöllner, Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus, Simon Kananäus und Judas Iskáriot, der ihn ausgeliefert hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus und gebot ihnen: Geht nicht den Weg zu den Heiden und betretet keine Stadt der Samaríter, 6sondern geht zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel!

Geht und verkündet: Das Himmelreich ist nahe! Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt Dämonen aus! Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.

Von Luisa Maurer

Die Autorin

Luisa Maurer arbeitet als Pastoralreferentin im Bistum Trier und ist Rundfunkbeauftragte des Bistums für den Saarländischen Rundfunk und das Deutschlandradio.

Ausgelegt!

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