Weihbischof Hauke: Lasse mir von AfD nicht sagen, was Kirche tun soll
Der Erfurter Weihbischof Reinhard Hauke wirft der AfD bei ihren religionspolitischen Plänen Anmaßung vor. "Ich lasse mir nicht von dieser Partei sagen, was die Kirche ist und was sie angeblich zu tun habe", sagte Hauke im Interview der Wochenzeitung "Die Tagespost". Dies hätten nicht einmal die Kommunisten versucht. "Mal abgesehen davon, dass der AfD für so eine Kritik die theologische Kompetenz fehlt."
Hintergrund ist eine persönliche Stellungnahme Haukes zum sogenannten Regierungsprogramm der AfD in Sachsen-Anhalt, die er vergangene Woche veröffentlicht hat. Die Partei will im Falle einer Regierungsübernahme in dem Bundesland die Zahlung der sogenannten Staatsleistungen an die Kirchen einstellen, ebenso den staatlichen Kirchensteuereinzug. Dazu wirft sie den Kirchen vor, "nicht mehr den christlichen Glauben zu pflegen" und "das gesellschaftliche Zerstörungswerk der Altparteien" mit voranzutreiben.
"Ich hatte das Gefühl, dass sich viele Bürger, auch viele Katholiken, nicht über das Wahlprogramm informiert haben", so der Weihbischof im Interview über seine Motivation. Das AfD-Schlagwort der "Kirchensteuerkirchen" verzerre die tatsächliche Situation. "Die Leute wissen überhaupt nicht, wofür die Kirchensteuer verwendet wird. Alles, was wir auf weltkirchlicher Ebene machen, das wäre ohne Kirchensteuer überhaupt nicht möglich."
Kirche in der DDR
Hauke, der selbst in der DDR aufgewachsen ist und dort als Priester wirkte, erklärte weiter, dass die Kirche dort in ihrem Wirken auf die Gemeinde beschränkt gewesen sei. Doch: "Anders als etwa in Tschechien wurden wir Priester nicht verfolgt. Und es hat von außen niemand gesagt, wie wir zu leben haben." Zudem habe es auch zu DDR-Zeiten eine Pflicht der Gläubigen gegeben, einen Beitrag für die Kirche zu zahlen. "Der wurde aber nicht vom Staat, sondern durch die Kirchen selbst eingezogen."
In seinem Statement aus der vergangenen Woche hatte der Erfurter Weihbischof auf die Lage der Kirche in der DDR verwiesen und vor ähnlichen Zuständen unter einer AfD-Regierung gewarnt. Kirchliches Leben sei unter der Bedingung des atheistischen Staates möglich gewesen, jedoch konsequent behindert und aus der Öffentlichkeit verdrängt worden. "Nun erleben wir, wie sich eine neue Ideologie breit macht, die den Kirchen Schaden zufügen will. Es ist anmaßend, dass eine Partei in einem Wahlprogramm entscheidet, was Christentum ist", heißt es wörtlich.
Hauke forderte Gläubige und kirchliche Mitarbeitende daher auf, in ihrem Freundeskreis über die Absichten der AfD zu informieren. Er hoffe, dass der "demokratische Geist" noch nicht erloschen sei. "Ich bin bereit, wieder mit Kerzen auf die Straßen zu gehen und auf ein neues Wunder zu hoffen, das uns hilft, das Leben der Kirchen zu erhalten", schrieb er im Blick auf die friedliche Revolution in der DDR im Jahr 1989. "Wir müssen wachsam sein!" (mal)
