Standpunkt

Fußballerische Prominenz ersetzt keine theologische Kompetenz

Veröffentlicht am 15.06.2026 um 18:30 Uhr – Von Simon Linder – Lesedauer: 

Bonn ‐ Fußballer wie Felix Nmecha bekennen sich zu ihrem Glauben. Deren Wirkung nutzen Organisationen für Missionierung in Schulen. Statt sich blenden zu lassen, brauche es kritische Auseinandersetzung, schreibt Simon Linder.

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Nach einem erzielten Tor mit beiden Zeigefingern Richtung Himmel zeigen – diese häufig als Glaubensbekenntnis verwendete Geste wird es auch bei dieser WM wieder zu sehen geben. Unter den Spielern der deutschen Nationalmannschaft, die gestern gegen Curaçao ins Turnier startete, kennt man sie von Felix Nmecha (siehe Foto).

Christliche Fußballer*innen zeigen ihren Glauben nicht nur auf dem Platz, sondern auch in den Sozialen Medien. Nmecha stand wegen seiner Aktivitäten auf Instagram bereits mehrfach in der Kritik: Ein von ihm mit "Gefällt mir" markierter Post enthielt den Satz "You CANNOT be a homosexual and make it into Heaven", ein anderer von ihm geteilter Post brachte die Pride-Bewegung mit dem Teufel in Verbindung.

Verteidigt wurde Nmecha u. a. von Manuel Bühler, der die kritischen Medienberichte als "verkürzt und einseitig" bezeichnete. Der ehemalige Profi hat den Verein "Fußball mit Vision" gegründet, auf dessen Webseite er als "Theologe" vorgestellt wird – sein Studienabschluss stammt vom landeskirchlich nicht anerkannten "BibelStudienKolleg" aus Stuttgart, das sich selbst als "evangelikal" beschreibt. Über seinen Verein bietet Bühler Besuche christlicher Fußballer*innen im schulischen Religionsunterricht an.

Fußballprofis haben wie alle anderen Menschen das Recht, die aus ihrem Glauben gewonnenen Überzeugungen öffentlich zu teilen. Gerade im schulischen Religionsunterricht darf man sich jedoch nicht von deren sportlichem Erfolg blenden lassen. Ganz im Gegenteil: Hier können die von Nmecha gelikten und geteilten Instagram-Postings zum Anlass genommen werden, diese kritisch zu reflektieren und auf Basis der Erkenntnisse wissenschaftlicher Bibelexegese einzuordnen – auch ohne den Besuch erfolgreicher Fußballer*innen. Denn: Fußballerische Prominenz ersetzt keine theologische Kompetenz.

Von Simon Linder

Der Autor

Simon Linder arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Praktische Theologie an der Universität Tübingen. Er ist promovierter Katholischer Theologe und hat einen Studienabschluss in Allgemeiner Rhetorik. Aktuell forscht er zum Thema "Assistierter Suizid".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.