Theologin: Höchste Autorität in Kirche kommt Leidenden zu, nicht Papst

Die österreichische Theologin und Ordensfrau Martha Zechmeister betont, dass die höchste Autorität in der Kirche nicht dem Papst zukomme, sondern den Leidenden. Religiöser Gehorsam in der Nachfolge Jesu bedeute nicht, sich blind der Hierarchie zu beugen, sondern sich ganz in den Dienst des leidenden Nächsten nehmen zu lassen, sagte Zechmeister in einem Interview, das die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien veröffentlichte. "Unter dieser Autorität der Leidenden stehen alle hierarchischen Instanzen der Kirche – auch der Papst. Und ich glaube, das ist Leo wie Franziskus bewusst", so Zechmeister.
Theologie sei heute gefordert, durch die Verzweiflung angesichts der Weltlage hindurch zur Hoffnung zu befähigen. "Diese Hoffnung ist immer ein sozialer Akt, eine theologische Tugend. Nie ein einsamer Akt. Alles andere ist Optimismus", so Zechmeister. Auch wenn ein Einzelner die Welt "nicht aus den Angeln heben" werde, so sei die umgekehrte Option – Apathie und Resignation – keine Alternative. "Ich habe als Christin immer einen Handlungsspielraum - und den muss ich nutzen."
Wann sollten junge Menschen Theologie studieren?
Gefragt, ob sie jungen Menschen empfehlen würde, Theologie zu studieren, sagte die Theologin: Sie stelle ihren Studierenden stets zwei Fragen: "Spürst du ein ehrliches Verlangen, Theologie zugunsten der Verletzlichsten und der Schwächsten zu betreiben?" und "Hast du die ehrliche Bereitschaft, von jemandem zu lernen, der ganz verschieden ist zu dir?" Wenn die jungen Menschen diese Fragen von Herzen mit Ja beantworten könnten, empfehle sie ein Theologiestudium. So nämlich könnten sie Wirksamkeit nach dem Vorbild eines Myzels entfalten, also "Teil eines Pilzgeflechts unter der Oberfläche sein, das die Wirklichkeit verändert".
Martha Zechmeister wurde 1956 in Kotting/Niederösterreich geboren. Von 1974 bis 1979 studierte sie Theologie und Religionspädagogik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. 1979 trat sie in die "Congregatio Jesu" (Maria-Ward-Schwestern) ein. 1984 wurde sie an der Universität Wien mit einer Arbeit über Ignatius von Loyola promoviert. 1987 legte sie die Ewige Profess ab.
Von 1999 bis 2008 war sie Professorin für Fundamentaltheologie an der Universität Passau. Seit 2009 ist sie Professorin an der Universidad Centroamericana "José Simeón Cañas" und dort seit 2012 Direktorin des Masterstudiengangs Teología Latinoamericana. (KNA)