"Vorgehen heute völlig undenkbar"

Erzbischof räumt institutionelles Versagen in Missbrauchsfall ein

Veröffentlicht am 18.06.2026 um 12:10 Uhr – Lesedauer: 

Bamberg ‐ Die Kirche hat Missbrauchstäter in ihren Reihen früher nicht angezeigt, sondern unter anderem im Ausland versteckt. Das wäre heute "völlig undenkbar", sagt Erzbischof Herwig Gössl mit Bezug auf einen historischen Fall.

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Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl hat in einem historischen Missbrauchsfall "institutionelles Versagen" eingeräumt. Dabei geht es laut Mitteilung des Erzbistums vom Donnerstag um einen im Jahr 2000 gestorbenen Priester. Dieser sei nach Missbrauchsvorwürfen 1976 nicht angezeigt, sondern ins Ausland versetzt worden. Laut Archivdokumenten waren kirchliche Stellen über die Vorwürfe im Bilde.

Mit Namen aktenkundig sind demnach fünf missbrauchte Schüler. Der Beschuldigte sei Sekretär des damaligen Bischofs Josef Schneider gewesen, bevor er von 1970 bis 1976 als Direktor eines Bamberger Internats fungiert habe. Sowohl die Bamberger Bistumsleitung, das Auslandssekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sowie kirchliche Verantwortungsträger in Namibia hätten die Vorwürfe gekannt, ohne staatliche Behörden einzuschalten.

"Vorgehen heute völlig undenkbar"

Der Schutz von Tätern habe damals Vorrang vor dem Schutz von Kindern und Jugendlichen gehabt, bedauerte der Erzbischof. Zugleich versicherte er, "dass dieses Vorgehen heute völlig undenkbar ist".

Der Leiter des Auslandssekretariats der Bischofskonferenz, Peter Lang, erläutert in derselben Mitteilung, welche Maßnahmen heute diese Praxis unterbinden sollen: Bevor Seelsorger ins Ausland geschickt werden, müssen sie neben einer Selbstverpflichtungserklärung ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Sie werden zu einer Präventionsschulung verpflichtet und benötigen eine ausführliche Unbedenklichkeitserklärung ihres kirchlichen Vorgesetzten.

Laut Mitteilung erhofft sich das Erzbistum Bamberg von der 2024 in Auftrag gegebenen unabhängigen Missbrauchsstudie weitere Erkenntnisse zu dem betreffenden Fall. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland sei der Priester den Akten zufolge nicht mehr als Seelsorger eingesetzt worden. Auch sei über weitere Missbrauchstaten im Ausland nichts bekannt. (KNA)