Lob für Schönheit und Zusammenhalt europäischer Städte

Demokratie, Migration und Frieden – Leo XIV. in Norditalien

Veröffentlicht am 21.06.2026 um 15:28 Uhr – Von Sabine Kleyboldt (KNA) – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Es war nur ein Nachmittag, den Leo XIV. im Norden Italiens zubrachte. Doch trotz sommerlicher Hitze empfingen Zehntausende den Papst enthusiastisch. Und der hatte ihnen auch überraschende Botschaften mitgebracht.

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"Ihr jungen Menschen könnt die Welt verändern! Und wir erwarten euch alle, jeden einzelnen von euch", rief Leo XIV. am Samstagabend Jugendlichen im norditalienischen Sant'Angelo Lodigiano zu. Trotz sommerlicher Hitze hatten sie den Papst lange und geduldig erwartet. Nur eine Woche nach seiner siebentägigen Spanien-Reise stattete Leo XIV. zwei lombardischen Städten nahe Mailand am Samstag einen rund sechsstündigen Besuch ab. Aber auch hier wurde er wärmstens von Zehntausenden Menschen empfangen – denen Leo XIV. unterschiedlichste Botschaften brachte.

Begonnen hatte er den Kurztrip in der Universitätsstadt Pavia, wo er ein innovatives Zentrum für onkologische Strahlentherapie besuchte. Hier ermutigte er vor allem Kinder, die dort behandelt werden. Dem medizinischen Personal dankte er für die "Wunder", die sie wirkten. Dass sich Leo Zeit nahm für eine nichtkirchliche Einrichtung, nötigte vielen Bewunderung für sein Gespür für Themen jenseits des päpstlichen Tellerrands ab.

Heimkehr ans Grab des Ordensvaters

Seine nächste Station war für den Papst, seit rund 50 Jahren Mitglied des Augustinerordens und von 2001 bis 2013 dessen Generalprior, eine Heimkehr zu alten Bekannten: Er besuchte das Grab des heiligen Augustinus (354-430) in der Basilika San Pietro in Ciel d'Oro. Unter anderem hatte er – damals noch als Prior Robert Francis Prevost – Papst Benedikt XVI. bei dessen Besuch 2007 nach Pavia begleitet. Diesmal gab es dort nicht nur großes Hallo mit Ordensbrüdern, darunter der aktuelle Generalprior Joseph Farrell, sowie einen freundlichen Austausch mit Ortsbischof Corrado Sanguineti und dem Klerus; sondern auch herzliche Begegnungen mit den Menschen der 70.000-Einwohner-Stadt.

Bei einem Wortgottesdienst in der Basilika spornte Leo XIV. die Kirche in der Lombardei an, auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft die Frohe Botschaft zu verbreiten. Priester sollten sich nicht verzetteln, sondern offen sein für die vielen suchenden Menschen. Lob hatte er für Initiativen zu einer synodaleren Kirche, in der sich auch nicht geweihte Männer und Frauen stärker einbringen können.

Viele Begegnungen am Rande

Aber es waren auch die Begegnungen am Rande, die dem ersten US-Amerikaner im Papstamt einmal mehr Sympathien verschafften. So richtete Leo XIV., der rund 20 Jahre als Seelsorger in Peru lebte, einen Gruß in perfektem Spanisch an die vielen in der Lombardei ansässigen Peruaner und die gesamte südamerikanische Gemeinschaft. Die Kinder, die auf vielen Zetteln in vatikanischem Gelb und Weiß Wünsche an den Papst formuliert hatten, rief er auf: "Bemüht euch um echte Freundschaften – nicht nur um Freundschaften, die über Bildschirme oder Handys entstehen."

Papst Leo XIV. betet vor Reliquien des heiligen Augustinus
Bild: ©picture alliance / AP Photo/Luca Bruno | Luca Bruno

Papst Leo XIV. betet vor Reliquien des heiligen Augustinus

Man dürfe die Hoffnung auf Frieden nie aufgeben, aber müsse bei sich selbst anfangen, mahnte Leo: "Schluss mit Hassreden, Schluss mit Beleidigungen, Schluss mit Mobbing, Schluss mit all dem, was Krieg zwischen Menschen, zwischen Gemeinschaften, zwischen Ländern schürt", sagte der Papst unter großem Beifall. "Wir alle müssen lernen, Friedensstifter und Förderer von Versöhnung zu sein."

Bürgersinn im "Organismus Stadt"

Auf der Bühne der zentralen Piazza hatte Leo XIV. dann erstaunliche Botschaften an die Bürger Pavias. "Die anspruchsvolle Schönheit" der Stadt sei zugleich Verpflichtung für die Gegenwart. "Dies ist ein Charakteristikum europäischer Städte", so der gebürtige Chicagoer: Einfallsreichtum und Bürgersinn ihrer Erbauer zeigten den Wert des urbanen Gefüges.

Gerade Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und Pfarrzentren zeugten von Gastfreundschaft, Bildung und Kultur. Im "Organismus Stadt" trage die Gemeinschaft Sorge für Wohl und Würde des Einzelnen, motiviert durch das Gemeinwohl und nicht durch parteipolitische Interessen. "Angesichts von Verfall und bürgerschaftlichem Analphabetismus sind wir aufgerufen, eine Sprache der Hingabe und des Dienstes zu sprechen, die Plätze, Parks und Straßen als Orte der Begegnung schlechthin bewahrt. Ein "gutes Bürgertum" sei in der Lage, Harmonie durch Dialog und konstruktive Begegnungen zwischen den Menschen und Kulturen zu pflegen, so der Papst.

Appelle zum Einsatz für Migranten

Zum Tagesabschluss machte er Station in Sant'Angelo Lodigiano, Geburtsort der Schutzpatronin der Migranten, Francesca Cabrini (1850-1917). Wie bereits vorige Woche auf den Kanarischen Inseln nutzte Leo XIV. seinen Besuch just am Weltflüchtlingstag für Mahnungen zur Hilfe für Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat verlassen.

"Was könnte aktueller sein als ein missionarisches Charisma, das sich in den Dienst von Migranten stellt?", so der Papst mit Blick auf Cabrini, die sich um italienische Auswanderer in den USA kümmerte, deren Staatsbürgerschaft sie auch erhielt und die 1946 als erste US-Amerikanerin heiliggesprochen wurde. Gerade jungen Leuten legte der Papst ihr Vorbild ans Herz. Zu erwarten ist, dass Leo XIV. bei seiner nun anstehenden Reise auf die süditalienische "Flüchtlingsinsel" Lampedusa am 4. Juli das Thema weiter vertiefen wird.

Von Sabine Kleyboldt (KNA)