Anselm Grün: Der Habit kann bei großer Hitze schon eine Zumutung sein
Temperaturen über 30 Grad setzen derzeit vielen Menschen zu. Für Ordensleute kommt eine besondere Herausforderung hinzu: Sie tragen oft auch bei großer Hitze ihre traditionelle Kleidung. Der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün erzählt im katholisch.de-Interview, wie er mit heißen Sommertagen umgeht, warum alte Klöster bei großer Hitze im Vorteil sind und weshalb Kirchen mehr sein sollten als bloße Zufluchtsorte vor der Hitze.
Frage: Pater Anselm, Deutschland erlebt aktuell eine der ersten Hitzewellen des Jahres mit Temperaturen über 30 Grad. Wie gehen Sie als Benediktiner mit so hohen Temperaturen um?
Grün: In unserem Kloster ist es Gott sei Dank in den Gebäuden noch einigermaßen kühl. Wenn ich allerdings im Habit nach draußen in die Sonne gehe, dann ist das schon unangenehm. Gerade in unserem schwarzen Habit wird es in der Sonne sehr schnell sehr warm. Ich versuche deshalb, mich möglichst viel im Haus aufzuhalten.
Frage: Sie sprechen Ihren schwarzen Habit an, die traditionelle Kleidung der Benediktiner. Kommt Ihnen bei so großer Hitze manchmal der Gedanke, dass diese Ordenskleidung eine echte Zumutung sein kann?
Grün: Ja, sicher. (lacht) Zwar tragen wir bei großer Hitze unter dem Habit kurze Hosen, wodurch dann ein bisschen Luft hineinwehen kann. Das sorgt durchaus für etwas Kühlung. Aber oben herum kann es schon sehr warm werden. In Afrika tragen die Missionare deshalb bewusst weiße Habite.
Frage: Haben Sie im Laufe der Jahre bestimmte Strategien oder kleine Tricks entwickelt, um mit hohen Temperaturen besser zurechtzukommen?
Grün: Wichtig ist für mich vor allem, nachts gut zu lüften, damit es wenigstens etwas kühler wird. Ansonsten versuche ich, mich möglichst im Schatten aufzuhalten und die direkte Sonne zu meiden. Außerdem habe ich ja nicht ständig den Habit an. Wenn ich etwa in der Verwaltung arbeite, trage ich ein kurzes Hemd und kleide mich der Situation entsprechend. Wenn ich allerdings offiziell unterwegs bin oder Vorträge halte, ist der Habit quasi Pflicht. Dann kann es schon sehr warm werden, und ich schwitze entsprechend.
Der schwarze Habit der Benediktiner kann laut Pater Anselm bei großer Hitze eine echte Zumutung sein.
Frage: Ich habe mal von einem Ordensmann gehört, der seinen Habit an heißen Tagen vorübergehend ins Eisfach legt. Wäre das auch etwas für Sie?
Grün: Das wäre mir etwas zu kompliziert. Außerdem habe ich gar kein Eisfach. (lacht)
Frage: Gibt es in Ihrem Kloster besondere Regelungen oder Erleichterungen für heiße Tage, etwa bei der Kleidung oder dem Tagesablauf?
Grün: Nein, der Tagesablauf bleibt grundsätzlich gleich. Mittags machen wir einen Mittagsschlaf, aber das ist bei uns ohnehin üblich. Mindestens eine halbe Stunde Ruhepause gehört dazu. Wenn wir bei großer Hitze arbeiten müssen, dann versuchen wir, das möglichst nicht in der prallen Sonne zu tun, sondern im Schatten oder in der Werkstatt. Dort achten wir darauf, dass es einigermaßen kühl bleibt und die Räume gut abgedunkelt sind.
Frage: Viele Menschen unterschätzen die Bedeutung ausreichenden Trinkens bei Hitze. Müssen auch Sie sich manchmal bewusst daran erinnern, genug zu trinken?
Grün: Ja, durchaus. Ich muss mich schon dazu anhalten, ausreichend zu trinken. Meistens trinke ich einfach Leitungswasser. Das ist unkompliziert und immer verfügbar.
Frage: Sie haben es schon angedeutet: Klöster gelten oft als Orte mit dicken Mauern und vergleichsweise kühlen Räumen. Sind Ordenshäuser bei Hitzewellen im Vorteil gegenüber modernen Gebäuden?
Grün: Ja, ganz sicher. Gerade die alten Gebäude bleiben oft angenehm kühl. Zwar werden die Räume natürlich auch bei uns warm, wenn die Sonne lange durch die Fenster scheint. Dagegen kann man nicht viel tun. Aber Räume wie der Kreuzgang oder auch der Speisesaal bleiben in der Regel auch bei großer Hitze einigermaßen kühl.
„Es ist generell empfehlenswert, zwischendurch immer mal wieder die Stille zu suchen und sich Pausen zu gönnen. In diesem Sinne kann man die Hitze auch als Einladung verstehen, etwas weniger zu tun und ruhiger zu werden.“
Frage: Viele Menschen klagen bei großer Hitze über Gereiztheit und Erschöpfung. Welche Rolle können Gebet, Stille und geistliche Übungen spielen, um gelassener mit solchen Belastungen umzugehen?
Grün: Es ist generell empfehlenswert, zwischendurch immer mal wieder die Stille zu suchen und sich Pausen zu gönnen. In diesem Sinne kann man die Hitze auch als Einladung verstehen, etwas weniger zu tun und ruhiger zu werden. Sich hinzusetzen, zu meditieren und sich zu erlauben, ausnahmsweise nichts zu tun – das tut der Seele gut und dem Körper ebenfalls.
Frage: Zahlreiche Bistümer werben inzwischen dafür, an heißen Tagen kühle Kirchen als Schutz- und Aufenthaltsorte aufzusuchen. Was halten Sie von dieser Initiative?
Grün: Kirchen sind in der Tat meist kühler, vor allem die alten Kirchen. Deshalb sind sie für viele Menschen sicher ein guter Ort. Hinzu kommt, dass man dort mit Gott in Berührung kommen kann. Kirchen sind gelebter Glaube. Wenn man sich in eine Kirche setzt, kann man sich vorstellen, dass hier über viele Jahre Menschen gebetet haben und Gott begegnet sind. Das kann sehr viel Kraft geben. Wenn Kirchen allerdings nur als Zufluchtsort gegen die Hitze genutzt werden, ist das zu wenig. Ich denke aber, dass Menschen, die sich in eine Kirche zurückziehen, immer auch etwas von der besonderen Atmosphäre dieses Ortes mitbekommen.
Frage: Wenn Sie den Menschen einen Rat für die aktuelle Hitzewelle geben könnten: Was hilft Ihnen persönlich am meisten, um körperlich und seelisch einen kühlen Kopf zu bewahren?
Grün: Für mich ist wichtig, den äußeren Umständen nicht zu viel Macht zu geben. Also nicht zu jammern, sondern einfach meinen Weg zu gehen und bei mir selbst zu bleiben. Dann stört mich die Hitze nicht mehr ganz so sehr.
