Außenminister Wadephul sieht Kirchen als Wegbereiter für Frieden
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat am Dienstag in Berlin die orientierunggebende Rolle der Kirchen gewürdigt. Bei einem Treffen mit dem Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) sagte er laut Redemanuskript, echter Friede wachse "nur aus Gerechtigkeit und dem bedingungslosen Schutze der menschlichen Würde". Dafür brauche es Staaten, die handeln, aber auch "Menschen und Institutionen, ja, Kirchen, die Orientierung geben".
Wadephul führte aus, Friede wachse nicht daraus, die Verantwortung für menschliches Zusammenleben "blind einer neuen Technologie zu übertragen" – worauf Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika zum Thema Künstliche Intelligenz hingewiesen habe. Mit Blick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine, in dem zuletzt das Kiewer Höhlenkloster angegriffen wurde, führte er aus: "Echter Friede wächst nicht aus der Kapitulation vor einem Aggressor, dem nichts heilig ist."
Ethisches Fundament notwendig
Der Außenminister sagte, jede dauerhafte Friedensordnung brauche mehr als Macht und Abschreckung: "Wenn wir es mit nihilistischem Vernichtungswillen zu tun haben, aber auch mit einer rapiden technologischen Revolution, die unser menschliches Zusammenleben radikal verändern wird, dann brauchen wir mehr als die Mittel des Staates. Dann brauchen wir auch ein ethisches Fundament."
An die Kirchenvertreter gewandt bat er, die katholische Weltkirche möge ihre moralische Stimme über Ländergrenzen hinaus weiterhin nutzen. "Sie können Antworten geben auf Menschheitsfragen, die in der ganzen Welt widerhallen", sagte er.
Bischof Wilmer betont Religionsfreiheit
Laut "X"-Post der Deutschen Bischofskonferenz thematisierte das Gespräch aktuelle internationale Konflikte und die Verantwortung Deutschlands im weltweiten Kontext. Der Münsteraner Bischof und Konferenz-Vorsitzende Heiner Wilmer habe das Engagement des Ministers für die Wiedereinrichtung eines Referats für Grundsatzfragen zu Religion und Außenpolitik im Auswärtigen Amt gewürdigt.
Wilmer betonte die Bedeutung der Religionsfreiheit: "Die Religionsfreiheit hat in Zeiten des zunehmenden Autoritarismus keinen leichten Stand. Dort, wo dieses Menschenrecht angegriffen wird, sind immer auch weitere Grundrechte wie die Gewissens- und Versammlungsfreiheit betroffen." So fungiere Religionsfreiheit in gewisser Weise als Indikator für den Grad der Rechtsstaatlichkeit eines Landes, sagte Wilmer. (KNA)
