Vatikanisches Verfahren zu Ausschluss läuft

Wertvolle Bücher aus Kloster gestohlen: Augustiner-Chorherr verurteilt

Veröffentlicht am 24.06.2026 um 11:50 Uhr – Lesedauer: 

St. Pölten ‐ Ein Augustiner-Chorherr entwendete mehrere Bücher aus einer Stiftsbibliothek und wurde dafür nun verurteilt. Probleme mit ihm gab es im Kloster wohl schon länger – jetzt steht sein endgültiger Ausschluss bevor.

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Ein Augustiner-Chorherr ist in Österreich wegen schweren Diebstahls und Veruntreuung zu einer zehnmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Wie österreichische Medien in den vergangenen Tagen berichteten, gestand er vor dem Landesgericht St. Pölten, mindestens 16 historische Bücher aus der Bibliothek des Stifts Herzogenburg im Wert von 50.000 Euro sowie ein Messgewand aus einer Pfarrei entwendet zu haben. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Verurteilte, ein 40-jähriger Pole, trat 2015 in das Stift Herzogenburg in Niederösterreich ein und arbeitete in der Klosterbibliothek, die rund 100.000 Bände umfasst. Zudem wirkte er eine Zeit lang als Pastoralassistent. Die Taten geschahen demnach bereits 2022, wurden jedoch erst vergangenes Jahr bemerkt. Der Mann lebte zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr im Kloster, weil er exklaustriert wurde, also das Stift in Absprache mit dem Orden vorübergehend verließ.

Hausdurchsuchung brachte Gewissheit

Nachdem ein Mitbruder Verdacht geschöpft hatte, führte die Polizei im Februar 2025 eine Hausdurchsuchung in einer Wiener Wohnung, in der der Mann inzwischen lebte, durch. So tauchten die Bücher wieder auf und konnten zurückgebracht werden. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass er sie verkaufen wollte. Vorgeworfen wurde ihm auch, drei der Bücher beschädigt zu haben. Das liturgische Kleidungsstück wurde in seinem Zimmer im Kloster gefunden, das er nicht geräumt hatte.

Offenbar gab es in Herzogenburg schon länger Probleme mit dem Angeklagten. Vor Gericht sprach er von einer schwierigen Situation, die schließlich zu seiner Exklaustration geführt habe. Er behauptete, die Bücher aus dem Kloster entwendet zu haben, um ein "Pfand" in der Hinterhand zu haben, das seine Verhandlungsposition im Konflikt mit dem Kloster stärken sollte. Zudem gab er an, schon immer eine Passion für Kirchengüter gehabt zu haben. Während der Verhandlung zeigte er Reue und bekannte sich schuldig.

Weltlich ist der Fall damit abgeschlossen, kirchlich nicht: Im Vatikan ist ein Prozess zum Ausschluss des Mannes aus der Chorherrengemeinschaft anhängig. Das Stift wirft ihm vor, Vorkommnisse aus seinem vorherigen Leben verschwiegen zu haben. Hätte man von diesen gewusst, wäre er nicht aufgenommen worden. (mal)