Nachfolge wagen, Gastfreundschaft leben
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Das heutige Tagesevangelium bildet den Abschluss der langen Rede, die Jesus im Matthäusevangelium zur Aussendung seiner zwölf Jünger hält. Mitten im Evangelium schickt Jesus die Zwölf, die bisher mit ihm gemeinsam umhergezogen sind, allein los. In der Aussendungsrede gibt er ihnen quasi einen Leitfaden mit auf den Weg, wie sie sich verhalten sollen, warnt sie vor Schwierigkeiten und ermutigt sie, die Nachfolge trotzdem nicht aufzugeben.
Da, wo unser Tagesevangelium heute beginnt, endet der thematisch längste Abschnitt gerade, in dem Jesus die Jünger vor Verfolgung und Unverständnis warnt. Sogar innerhalb der eigenen Familie wird der Glaube an Jesus Streit und Entzweiung bringen (eine Erfahrung, die der matthäischen Gemeinde um 80 n. Chr. nicht fremd gewesen sein dürfe). Genau vor diesem Hintergrund ist der erste Teil unseres Evangeliums zu verstehen: Jesus schließt diesen Teil seiner Rede ab, indem er dazu ermuntert, sich im Streitfall immer für den Glauben, für die Nachfolge zu entscheiden. Dies tut er in sehr drastischen Worten, die in der Antithese vom verlorenen und dadurch gewonnenen Leben – eine Anspielung auf das Martyrium – gipfeln.
Der zweite Teil des heutigen Evangeliums ist das Ende der Aussendungsrede und beschäftigt sich mit der Frage nach der Gastfreundschaft. Jesus preist die Gastfreundschaft derer, die seine Jünger aufnehmen, sehr hoch und verspricht großen Lohn dafür. Diesen Lohn macht Jesus nicht abhängig davon, wie wichtig der Mensch ist, den man gastfreundlich aufnimmt, sondern erweitert diese säkulare Hintergedanken-Logik: Nicht nur, wer einen offensichtlich wichtigen und "großen" Menschen, wie zum Beispiel einen Propheten oder einen Gerechten, gastfreundlich aufnimmt, erhält dafür großen Lohn, sondern alle, die einen noch so "kleinen" Jünger Jesu aufnehmen, werden dafür entlohnt.
Die erste Lesung erzählt ebenfalls von der Gastfreundschaft, die eine vornehme Frau aus Schunem dem Propheten Elischa zuteilwerden lässt, den sie als "heiligen Gottesmann" (2 Kön 4,9) erkannt hat. Im 2. Buch der Könige wird der im Matthäusevangelium vage gehaltene verheißende Lohn konkret auserzählt. Elischa bedankt sich bei der Frau, fragt sie, ob er ihr etwas Gutes tun kann, sie lehnt ab und zeigt dadurch, dass ihre Gastfreundschaft keinen Hintergedanken hat. Erst durch den Hinweis seines Dieners erfährt Elischa, dass die Frau bisher kein Kind empfangen hat, und verheißt ihr die Geburt eines Sohnes noch vor seinem nächsten Besuch.
Die Tagestexte laden dazu ein, über den Stellenwert von Gastfreundschaft nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Wie sehen meine eigenen, unausgesprochenen Regeln für Gastfreundschaft aus?
Aus dem Evangelium nach Matthäus (Mt 10,37–42)
In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Aposteln: Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert.
Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert.
Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.
Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat.
Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten.
Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Die Autorin
Schwester Jakoba Zöll ist Olper Franziskanerin. Sie arbeitet an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte und schreibt an ihrer Promotion.
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Als Vorbereitung auf die Sonntagsmesse oder als anschließender Impuls: Unser Format "Ausgelegt!" versorgt Sie mit dem jeweiligen Evangelium und Denkanstößen von ausgewählten Theologen.
