Katholiken in den USA gewännen an Einfluss

Experte sieht Trump als Verlierer beim Duell mit Papst Leo XIV.

Veröffentlicht am 29.06.2026 um 11:50 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Zu Beginn des Iran-Kriegs ging US-Präsident Trump den Papst hart an. Das war ein Fehler, meint der Theologe und Buchautor Benjamin Dahlke. Zudem spricht er über den wachsenden Einfluss von Katholiken in den USA.

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Die Konfrontation mit Papst Leo XIV. hat US-Präsident Donald Trump nach Ansicht von Buchautor und Theologe Benjamin Dahlke massiv geschadet. Trump habe mit dieser Aktion nichts gewonnen, sagte Dahlke am Montag in der Sendung "Tag für Tag" des Deutschlandfunks. Stattdessen sei der Papst vielen als neuer Sympathieträger erschienen.

Trump müssen nun alles tun, "um keine weiteren Differenzen zum Vatikan und speziell zum Papst aufzubauen", so Dahlke weiter. Stattdessen solle sich der US-Präsident auf die vorhandenen Probleme konzentrieren. "Das sind vor allem wirtschaftliche Probleme, das ist die Inflationsrate, die Lebenshaltungskosten. Da hat er eigentlich genug zu tun." Der Krieg im Iran hatte grundsätzliche Differenzen zwischen Trump und dem Papst freigelegt. Der aus den USA stammende Leo XIV. mahnte zu Frieden – und Trump verhöhnte seinen Landsmann dafür. – Dahlke ist Autor des Buchs "One Nation under God. Der US-Katholizismus und die Politik", das unlängst im Freiburger Verlag Herder erschienen ist.

Dahlke: Katholiken in den USA gewinnen an Einfluss

n den USA an Einfluss gewännen. Für das späte 18 Jahrhundert, also die Gründungsphase der Vereinigten Staaten, gehe man von 30.000 Katholiken bei einer Gesamtbevölkerung von knapp unter vier Millionen Menschen aus, so der Experte. Das sei ein Anteil von weniger als einem Prozent. Die Vereinigten Staaten feiern derzeit den 250. Jahrestag ihrer Gründung. Auf der politischen Bühne galten Katholiken lange als Randgruppe. Erst mit Präsident John F. Kennedy bekleidete von 1961 bis 1963 ein Katholik das höchste Amt des Landes.

Heute sei unterschiedlichen Schätzungen zufolge jeder vierte oder fünfte US-Amerikaner katholisch. "Dann reden wir von weit über 60 bis hin zu 70 Millionen Menschen", sagte Dahlke. Im politischen System seien Katholiken derzeit sogar überrepräsentiert. 30 Prozent der Kongressmitglieder seien katholisch. Im Supreme Court, dem Obersten Gerichtshof, gebe es "eine katholische Supermehrheit": Dort seien sechs von neun Richtern katholisch. "Das ist erstaunlich", so der Theologe. "Die Katholiken sind nicht nur in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern sie bestimmen das gesellschaftliche Leben und eben auch sehr stark die Politik." (tmg/KNA)