Enzyklika "Magnifica humanitas"

Theologin kritisiert Papst Leo XIV. für KI-Skepsis

Veröffentlicht am 30.06.2026 um 08:55 Uhr – Lesedauer: 

Hamburg ‐ "Ich bin überzeugt, dass KI dazu beitragen kann, die Welt zu verbessern" – das sagt US-Theologin Ilia Delio. Papst Leo XIV. wirft sie beim Thema Künstliche Intelligenz eine verengte Sichtweise vor.

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Die US-amerikanische Theologin Ilia Delio hat Papst Leo XIV. für dessen Haltung zu Künstlicher Intelligenz kritisiert. Sie verstehe zwar seine Sorgen angesichts möglicher Jobverluste durch KI, sagte sie der in Hamburg erscheinenden "Neuen Kirchenzeitung". Doch halte sie seine Antwort nicht für überzeugend: "Meiner Ansicht nach berücksichtigt er nicht ausreichend, dass Evolution und Wandel dem menschlichen Person-Sein – ja dem Leben insgesamt – innewohnen."

Der Papst hatte Ende Mai seine erste Enzyklika unter dem Titel "Magnifica humanitas" (Großartige Menschheit) veröffentlicht. In dem Lehrschreiben stellte er die Bewahrung des Menschen im Zeitalter von KI in den Mittelpunkt und warnte vor den Folgen eines unkritischen Umgangs mit der Technologie.

Kann KI Menschen menschlicher machen?

Aus Delios Sicht ist die entscheidende Frage nicht, wie Menschen angesichts neuer Technologien unverändert bleiben können. "Die entscheidende Frage lautet vielmehr: Kann uns KI helfen, menschlicher zu werden – oder wird sie uns dabei im Wege stehen?", sagte die Professorin für Theologie an der katholischen Villanova University im US-Bundesstaat Pennsylvania. Darin liege der Unterschied zwischen ihr und dem Papst: "Er möchte Mensch bleiben, und ich möchte 'ultra-menschlich' werden."

Die Franziskanerin bezeichnete sich selbst als "KI-Optimistin". KI könne helfen, Informationen schneller zugänglich zu machen, Kommunikation zu erleichtern und gemeinsame Ideenentwicklung zu fördern. "Ich bin überzeugt, dass KI dazu beitragen kann, die Welt zu verbessern."

Menschliche Werte als Maßstab für Technik

Dafür müsse der Blick jedoch weniger auf die Technologie selbst und mehr auf den Menschen gerichtet werden. "Die eigentliche Frage ist nicht die KI als solche, sondern wir selbst", sagte Delio. Entscheidend sei, warum Menschen KI entwickelten und was sie mit ihr erreichen wollten. Es gehe darum, die Technik an Werten wie Gerechtigkeit, Gemeinschaft, Mitgefühl und Frieden auszurichten. "Die Maschinen, die wir entwickeln, müssen von positiven menschlichen Werten geleitet werden."

Delio räumte ein, dass die KI auch Nachteile mit sich bringe. So würden etwa Arbeitsplätze in der Produktion, im Büro, im Gesundheitswesen, im Finanzsektor und in der Bildung verloren gehen. So würden in Zukunft nicht so viele Lehrkräfte benötigt wie heute. Aber: "Wenn wir KI sinnvoll nutzen, können wir einer viel größeren Zahl von Menschen Zugang zu Bildung verschaffen." (KNA)