Erzbistum Berlin nennt Zahlen zu Missbrauch – zwölf aktuelle Fälle
Im Erzbistum Berlin sind im vergangenen Jahr 15 neue Beschuldigungen zu sexualisierter Gewalt an Kindern, Jugendlichen und erwachsenen Schutzbefohlenen eingegangen. Das geht aus dem Jahresbericht der Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt hervor, den das Erzbistum am Dienstag veröffentlichte. Demnach wurde einer der Vorfälle wegen falscher Zuständigkeit weitergeleitet. Von den übrigen 14 Fällen seien zwölf Beschuldigungen aktuell. Zwei der Vorfälle seien vor mehr als zehn Jahren geschehen.
Bei sieben der 14 bearbeiteten Fälle handelte es sich laut Jahresbericht um Vorwürfe sexualisierter Gewalt. Vier Meldungen beinhalteten Verletzungen des Verhaltenskodexes zur Prävention von sexualisierter Gewalt. In drei Fällen sei der Verdacht ausgeräumt worden. Beschuldigt worden seien in acht Fällen Lehrer und Erzieher an Schulen. In fünf Fällen haben die Vorwürfe demnach Geistliche betroffen, in zwei Fällen Mitarbeiter in Pfarreien und in einem Fall einen Ehrenamtlichen. Dass die Zahl der Beschuldigten (16) die Anzahl der bearbeiteten Fälle (14) überschreitet, liege daran, dass ein Fall mehrere Beschuldigte betreffe.
Zweiter Jahresbericht
Der Jahresbericht ist der zweite seiner Art. Im vergangenen Jahr legten der Präventionsbeauftragte, die Interventionsbeauftragte und die unabhängigen Ansprechpersonen erstmals einen umfassenden Jahresbericht zum Thema Missbrauch für das Erzbistum Berlin vor. Für 2024 wurden 14 Beschuldigungen erhoben, darunter neun aktuelle Fälle. Insgesamt seien seit 2002 insgesamt 162 Verdachtsfälle bearbeitet worden.
Die Fälle bearbeitet dabei die sogenannte zentrale Servicestelle Intervention, die für Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt in den Pfarreien und Gemeinden im Erzbistum zuständig ist. Ebenso ist sie für Fälle in Einrichtungen verantwortlich, die in Trägerschaft des Erzbistums stehen, wie etwa Schulen.
Fast 200.000 Euro zugesprochen
Aus dem aktuellen Jahresbericht geht zudem hervor, dass die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) im vergangenen Jahr 188.000 Euro an Betroffene ausgezahlt hat. Hinzu seien knapp 11.000 Euro übernommene Therapiekosten gekommen.
Insgesamt haben laut Bericht Betroffene in Begleitung durch die unabhängigen Ansprechpersonen sieben Anträge gestellt. Davon waren drei neue Anträge auf Anerkennung des Leids. In zwei Fällen habe es sich um einen Antrag auf Neubewertung aufgrund neuer Erkenntnisse gehandelt und in zwei Fällen um Widersprüche. Seit 2018 hat das Erzbistum laut Bericht rund 1,2 Millionen Euro an Anerkennungsleistungen ausbezahlt. (KNA)
