Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat die sakramentale Gestalt der Kirche bekräftigt. "Kirche ist weder ein religiöser Verein, noch Club, noch irgendwie eine Religions- und Sinnstiftungsagentur", erklärte Bentz in einem Interview des Erzbistums am Dienstag. "Kirche ist tatsächlich ein Werkzeug. Kirche hat eine Tiefendimension", so der Erzbischof. "Über die Struktur und über die Institution hinaus ist Kirche dafür da, dass Menschen ein Gespür bekommen für das Heilige."
Bentz sprach auch über die Rolle von Priestern. "Wenn das Wesen von uns als Kirche eine sakramentale Kirche ist, dieses Zeichen und Werkzeug ist, dann hat der sakramentale Dienst, dann hat der Priester auch darin eine unverzichtbare Aufgabe und Funktion", betonte der Erzbischof. Genauso wie es künftig Pastoral- und Gemeindereferenten brauche, brauche es auch Priester. "Und wofür? Meines Erachtens nicht einfach nur als sakramentalen Dienstleister", so der Erzbischof. Es gehe nicht nur um den einzelnen sakramentalen Akt, sondern um eine "sakramentale Gesamtkultur in unserer Seelsorge". Die Priester seien Anwälte hierfür.
"Wir brauchen einen echten Gestaltwandel"
Im Interview sprach Bentz auch über den Strukturprozess im Erzbistum und verteidigte die Umgestaltung der bisherigen Pfarreien. "Würden wir nichts gestalten, würden wir nichts verändern, würde sich trotzdem viel verändern." Es gehe darum, Formen zu finden, die dem Gestaltwandel der Kirche heute wirklich gerecht würden. "Wir brauchen einen echten Gestaltwandel und es nutzt uns nichts, wenn wir ein bisschen das Tischtuch weiterziehen, denn dann werden wir nicht weit kommen."
Die bevorstehenden Veränderungen brächten bei allen Beteiligten Verunsicherungen. Jeder frage sich, wo künftig sein Platz sein werde, so der Erzbischof. Der Transformationsprozess solle aber nicht dafür sorgen, dass beispielsweise Kirchenvorstände "in die Wüste geschickt" werden. Engagierte vor Ort würden weiter gebraucht, mahnte Bentz. Lokal solle es weiterhin Finanzbudgets geben, mit denen Ehrenamtliche das Gemeindeleben gestalten können. "Wichtig ist die Botschaft, dass wir Menschen weiterhin brauchen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, auch wenn das rechtliche Mandat anders beschrieben ist als bisher."
Die Pfarreien sollen künftig von einem Trio aus einem leitenden Pfarrer, einer pastoralen Koordinatorin oder einem pastoralen Koordinator sowie einer Verwaltungsperson geleitet werden. Der Pfarrer habe zwar die Letztverantwortung. "Aber nicht in dem Sinne, dass er die einzige Verantwortung hat. Sondern er delegiert Vollmachten des Pfarramtes an diese Koordinationsperson und dann gucken die, wie sie ihre Arbeitsfelder aufteilen", erläuterte Bentz. Er wollte dabei keine Frauenquote für jedes Trio, er wolle aber, dass die Besetzung auf Kompetenz und Geschlechtersensibilität achten. Insgesamt brauche es eine gerechte Quote zwischen Mann und Frau. (cbr)