Papst erinnert USA an Gründungsideale Freiheit und Menschenwürde
Papst Leo XIV. hat die USA zur Rückbesinnung auf ihre Gründungsprinzipien aufgerufen. Er bete darum, dass "die hohen Ideale, die zu Beginn der Unabhängigkeitserklärung verankert wurden, auch weiterhin das Gedeihen der Nation in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden leiten mögen", sagte er am Freitag im Vatikan. Amerika solle dem Traum, der ihm den Titel "Land der Freien und Heimat der Tapferen" eingebracht habe, stets treu bleiben.
Leo XIV. äußerte sich in seiner live übertragenen Dankesrede anlässlich der Verleihung der Freiheitsmedaille des National Constitution Center in Philadelphia. Am Vorabend des 250. Geburtstags der Vereinigten Staaten wurde der erste in den USA geborene Papst "für sein lebenslanges Engagement für die Förderung religiöser Freiheit sowie der Freiheit des Gewissens und der Meinungsäußerung weltweit" ausgezeichnet.
Offenheit für Migranten Sinnbild der Freiheit
"Als Sohn dieses großen Landes, das von mutigen Männern und Frauen gegründet wurde, die von Freiheit und von einem besseren Leben für sich selbst und ihre Kinder träumten", bitte er um Gottes Segen für Amerikas Zukunft, so der gebürtige Chicagoer, seit Mai 2025 Oberhaupt der 1,4 Milliarden Katholiken weltweit.
Durch seine Offenheit für Zuwanderer, auch während der Zeit der beiden Weltkriege, sei das Land zum Sinnbild der Freiheit geworden. Es habe über sich selbst hinausgeblickt und unter großen Opfern die Sache der Freiheit auch jenseits der eigenen Grenzen verteidigt, lobte Leo.
Umfassender Schutz des Lebens
Um gedeihen zu können, müsse eine Nation geeint sein, betonte das Kirchenoberhaupt. "Geeint nicht durch Ziele, die an vorübergehende Bestrebungen gebunden sind, sondern durch Ideale, die mit dem Lauf der Zeit nicht verblassen", so Leo XIV.
Ebenso müsse das Leben aller Menschen geschützt werden, insbesondere das der Schwächsten und an den Rand Gedrängten, betonte der Papst. Das Recht auf Leben "vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen Tod" bezeichnete er als grundlegend.
Weiter würdigte Leo XIV. die in der US-Verfassung garantierte Religionsfreiheit, die eine Tradition des interreligiösen Dialogs hervorgebracht habe. "Ich hoffe, dass diese Tradition weiterhin Früchte tragen wird – in einem öffentlichen Diskurs, der von Mäßigung, Respekt vor den Ansichten anderer und dem fortwährenden Bemühen geprägt ist, gemeinsame Grundlagen zur Förderung von Frieden und Versöhnung zu finden, im eigenen Land wie auch im Ausland", so der Papst. Er schloss mit den Worten "May God bless America".
Frühere Preisträger
Der Papst trug bei seiner Rede die Freiheitsmedaille am blau-weiß-roten Band über seinem Brustkreuz. Im April war eine Abordnung der privaten Bildungseinrichtung, die sich der Verbreitung des Wissens über die US-Verfassung widmet, in den Vatikan gereist, um dem Papst die Medaille zu überreichen.
Frühere Preisträger waren unter anderen Nelson Mandela, Michail Gorbatschow, Kofi Annan und der Dalai Lama. Bei dem Festakt in Philadelphia sprachen auch Vertreter aus Judentum, Christentum und Islam, darunter der katholische Erzbischof von Philadelphia, Nelson J. Pérez. (KNA)
