Gänswein: Benedikt XVI. schmerzte "Traditionis custodes"
Laut seinem ehemaligen Privatsekretär, Erzbischof Georg Gänswein, war Papst Benedikt XVI. (2005–2013) unglücklich über das Motu proprio "Traditionis custodes" seines Nachfolgers. "Als ich ihm 'Traditionis custodes' vorlas, merkte ich, dass er im Herzen Schmerz empfand. Das war mein Eindruck", sagte Gänswein in einem Interview mit der italienischen Zeitung "Il Giornale" (Dienstag). "Nun glaube ich, dass dies der richtige Zeitpunkt ist, diese Verbote aufzuheben und den durch diesen Text verursachten Schaden zu überwinden."
Papst Benedikt XVI. hatte mit seinem Motu proprio "Summorum Pontificum" (2007) die Feier der Messe nach den liturgischen Büchern von 1962 – die sogenannte "Alte Messe" – deutlich erleichtert. Diese Freiheiten hatte Papst Franziskus (2013–2025) mit "Traditionis custodes" (2021) wieder deutlich eingeschränkt.
Das Ziel Benedikts sei es gewesen, dem Ritus "wieder volle Gleichberechtigung in der Kirche zu verschaffen und den Frieden in der Liturgie wiederherzustellen", so Gänswein. Mit der Wiederbelebung der "Alten Messe" sei das ehemalige Kirchenoberhaupt "sehr zufrieden gewesen", und sie habe Früchte getragen. "Vor allem bei den jungen Menschen hat es funktioniert, und das zeigt sich in erster Linie an den von Jahr zu Jahr steigenden Teilnehmerzahlen der Wallfahrt von Paris nach Chartres", sagte Gänswein. "Diese jungen Menschen lassen sich von der Schönheit der Liturgie inspirieren; sie stehen dem Zweiten Vatikanischen Konzil keineswegs ablehnend gegenüber", betonte der Erzbischof. "Es ist nicht wahr, dass jemand, der eine traditionelle liturgische Sensibilität hat und an tridentinischen Messen teilnimmt, konzilsfeindlich ist; wer das behauptet, lässt sich lediglich von Ideologie leiten." (cbr)
