Fahnenmast mit Regenbogenflagge vor Kirche abgesägt – Strafanzeige
In Mannheim hat ein Unbekannter einen rund neun Meter hohen Fahnenmast mit einer Regenbogenfahne vor der katholischen Kirche Sankt Sebastian abgesägt. Der Metallmast stürzte auf den Marktplatz, wie die Kirchengemeinde am Dienstagabend mitteilte. Verletzt wurde niemand. Mehrere Zeugen hätten den Vorfall am Montagabend gegen 18:45 Uhr beobachtet, einer habe die Polizei verständigt. Pfarrer Lukas Glocker habe inzwischen Strafanzeige erstattet. Die Fahne und der beschädigte Mast seien gesichert worden.
Die Regenbogenfahne war anlässlich der "Monnem Pride" als Zeichen für Vielfalt, Menschenwürde und ein friedliches Miteinander vor der Marktplatzkirche Sankt Sebastian gehisst worden. Die "Monnem Pride" gilt als größtes Event der queeren Community in der Rhein-Neckar-Region. Mit dem englischen Wort "queer" bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder deren geschlechtliche Identität nicht mit gesellschaftlichen Rollenbildern übereinstimmt.
Die Katholische Kirchengemeinde Mannheim hatte sich in diesem Jahr innerhalb eines ökumenischen Netzwerks schon zum dritten Mal an der "Monnem Pride" beteiligt – gemeinsam mit der evangelischen Kirche und weiteren christlichen Initiativen und Akteuren. Das Motto lautete "Liebe tut der Seele gut – Hass schadet der Seele".
Pfarrer: Respekt und Achtung
Der leitende Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Mannheim, Lukas Glocker, hatte das Hissen der Regenbogenfahne vor der Marktplatzkirche Sankt Sebastian bewusst initiiert: "Die Fahne macht sichtbar, dass jedem Menschen, unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Herkunft, Religion, Aussehen oder Hautfarbe mit Respekt und Achtung begegnet werden soll", erklärte er.
Das Leitungsteam der Kirchengemeinde erklärt nun, für Christen sei jeder Mensch Geschöpf Gottes und besitze eine unverlierbare Würde. "Regenbogenfahnen vor unseren Kirchen sind daher ein sichtbares Zeichen für eine Haltung, dass allen Menschen mit Respekt und Achtung begegnet wird." Sie stehe für die Überzeugung, dass die Würde jedes Menschen Grundlage des Zusammenlebens sei. Mit der Beteiligung an der "Monnem Pride" habe man deutlich gemacht, "dass wir für Vielfalt, Menschlichkeit und Nächstenliebe einstehen, die der Seele gut tut". Weiter hieß es: "Wir sind überzeugt: Hass, Ausgrenzung und Abwertung schaden der Seele und verletzen auch das Miteinander." (KNA)
