Oberhaupt der Staatskirche und Staatsoberhaupt

Theologe: Charles III. droht seine Rollen als König zu vermischen

Veröffentlicht am 16.07.2026 um 16:45 Uhr – Lesedauer: 

Freiburg/Bristol ‐ Die Debatte um die Neuinterpretation von Charles III. als Verteidiger der Religionen dauert an. Ein katholischer Theologe aus England fädelt auf, warum sich der König zu verheddern droht.

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Durch die jüngste Umbenennung seines Titels als "Verteidiger des Glaubens" droht dem britischen König Charles III. nach Meinung des Theologen Gavin D'Costa eine Rollenvermischung. Charles wolle seine Rolle als "Oberster Gouverneur der Kirche von England" interreligiös ausweiten, während ihm doch eigentlich "seine Rolle als 'Staatsoberhaupt' eine ideale Plattform bietet, eine multireligiöse pluralistische Gesellschaft zu unterstützen und mitzugestalten", schreibt der katholische Theologe in einem am Donnerstag im Internet veröffentlichten Beitrag für die internationale Fachzeitschrift "Communio". Konservative Anglikaner beklagten, dass er seinen Krönungseid als "Verteidiger des Glaubens" aufgebe, "indem er nun seine Rolle als Vermittler des interreligiösen Dialogs hervorhebt, anstatt die Verkündigung des Evangeliums im öffentlichen Raum einzufordern", so der emeritierte Professor aus Bristol.

"Widersprüchliche Wahrheiten verteidigen"

Außerdem werde befürchtet, dass Charles' Selbstverständnis als "Verteidiger des Glaubens" in einen Widerspruch münde: "Als Oberhaupt der anglikanischen Kirche müsste er an der Wahrheit des anglikanischen Glaubens festhalten und zugleich Wahrheiten verteidigen, die diesem Glauben widersprechen." Charles wolle als König den öffentlichen Raum ausdrücklich als Ort des multireligiösen Zusammenlebens sichern, schreibt D'Costa. Das Königshaus verweise auf seine "besondere Rolle beim Zusammenbringen von Gemeinschaften und Religionen". Das seien tatsächlich "wichtige Anliegen angesichts der Tatsache, dass Teile der britischen Bevölkerung gegenüber bestimmten Glaubensrichtungen zunehmend feindselig eingestellt" seien, insbesondere gegenüber Juden und Muslimen. Zudem gebe inzwischen die Mehrheit der Bevölkerung an, keiner Glaubensrichtung anzugehören.

Der katholische Theologe führt aus, dass nur noch 12 Prozent der Bevölkerung Anglikaner seien. "Humanisten sind irritiert darüber, warum ihr König im öffentlichen Raum lediglich 'Glaubensgemeinschaften' zusammenführen möchte und damit den Großteil seiner Untertanen außer Acht lässt", so D'Costa. Konservative Anglikaner hingegen sprächen sich gar nicht zwingend für religiöse Intoleranz aus, argumentiert er. Sie seien vielmehr überzeugt, "dass es zur Aufgabe des Kirchenoberhaupts gehört, eine missverständliche Gleichsetzung der Religionen zu vermeiden".

Charles' Sohn William als nächster Monarch sei, anders als sein Vater, kein regelmäßiger Kirchgänger, schließt D'Costa; dies könne die Verfassungskrise in der Religionsfrage noch verschärfen. Zudem werde "die grundsätzliche Frage nach der theologischen oder ideologischen Grundlage einer multireligiösen Gesellschaft aufgeworfen". Das sei eine "drängende Herausforderung für viele Nationen". Im jährlichen Rechenschaftsbericht des Königshauses war als königlicher Titel nicht mehr der jahrhundertealte Titel "Verteidiger des Glaubens" verwandt, sondern der eines "Beschützers für den Raum für Glauben in einer multireligiösen Nation". Der König wird so zum Schutzherrn für die Glaubenden aller Religionen erklärt. (KNA)