Auf dem Dach des Petersdoms könnte es bald ein Bistro geben. Die Bauarbeiten unterhalb der Kuppel der größten Kirche der Christenheit seien abgeschlossen, im September könnte das neue gastronomische Angebot eröffnet werden, wie die Zeitung "Il Messaggero" berichtet. Doch noch wird diskutiert, ob ein solches Lokal hoch über dem Grab des Apostels Petrus eine Entweihung des Ortes darstellen würde.
Bereits seit Jahren gibt es auf der Plattform des Petersdoms eine kleine Bar, in der man beim Aufstieg zur Kuppel einen Kaffee, ein Kaltgetränk oder einen Snack zu sich nehmen kann. Ebenso gibt es einen Andenkenladen und Toiletten.
Ende Januar hatte die Basilika bereits Berichte des "Messaggero" über die Eröffnung eines Bistros mit Dutzenden Sitzplätzen direkt hinter den 13 gigantischen Apostelstatuen aus dem 17. Jahrhundert dementiert. Stattdessen sei lediglich geplant, den vorhandenen Imbiss zu vergrößern, hieß es damals. Damit sollen die wachsenden Besucherströme in der Basilika entzerrt und "ein Klima größerer Andacht" geschaffen werden.
Fragen zum Stand der Arbeiten ließen der Vatikan und die Dombauhütte in den letzten Monaten unbeantwortet. Nun sei gegenüber der kleinen Bar ein solcher Bistrobereich mit Küche fertiggestellt, so die Zeitung. Dies befeuert die Spekulationen, um baldige Mittag- oder Abendessen nur wenige Meter neben der Spitze der Basilika und mit Panoramablick auf die Ewige Stadt.
Entweihung versus Dienstleistung
Die Basilika winkt ab, so der Bericht: Man beteuere weiter, es handele sich nur um eine notwendige Erweiterung, um die Touristenströme besser zu verteilen – unter voller Wahrung des heiligen Charakters des Ortes.
Gegner des Bistros befürchten eine Kommerzialisierung des symbolträchtigsten Ortes der Christenheit. Dagegen sehen es Befürworter als normale Dienstleistung für die Millionen Touristen, die jährlich die Kuppel besteigen.
Laut der Zeitung läuft eine Online-Petition an Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, jegliche Ausweitung kommerzieller Aktivitäten innerhalb der Basilika zu unterbinden und die kirchenrechtliche Vereinbarkeit des Vorhabens zu prüfen.
Initiator des Projekts ist demnach Kardinal Mauro Gambetti (60). Papst Franziskus (2013-2025) machte ihn 2020 zum Kardinal und im Februar 2021 zum Erzpriester des Petersdoms. Damit ist seine fünfjährige Amtszeit als Hausherr der Basilika abgelaufen. Noch hat sich Leo XIV. weder zu einer Verlängerung für Gambetti noch zur gastronomischen Situation auf dem Petersdom geäußert. (KNA)