Man kennt sie vom Vorbeifahren: An vielen Ortseingängen sind Tafeln mit Gottesdienstzeiten (Symbolbild oben) angebracht. Meist zeigen diese Schilder gelbe und violette Kirchen, die auf katholische und evangelische Gemeinden hinweisen. Seltener gibt es andersfarbige Tafeln mit Bezug zu weiteren christlichen Angeboten. Im oberbayerischen Penzberg hängt neuerdings auch ein Schild mit einer Moschee in Blau und Informationen zum muslimischen Freitagsgebet – womöglich eine bundesweite Premiere. "Uns ist nicht bekannt, dass es in einer anderen Stadt in Deutschland ein vergleichbares offizielles Hinweisschild gibt", teilte der Penzberger Imam Benjamin Idriz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch mit.
Zum Hintergrund erklärte Idriz, die Idee sei beim Austausch zwischen Bürgermeister und Vertretern der katholischen, evangelischen und islamischen Gemeinde entstanden. Die Pfarrer hätten angeregt, die bestehenden Hinweisschilder zu erneuern. "Im Verlauf des Gesprächs brachte ich den Vorschlag ein, auf den neuen Schildern auch die Zeit des muslimischen Freitagsgebets aufzunehmen. Dieser Vorschlag wurde vom Bürgermeister sowie von beiden Pfarrern ausdrücklich begrüßt und anschließend gemeinsam umgesetzt." Am Dienstag nun habe man die erste Tafel an einem der Penzberger Ortseingänge angebracht. Drei weitere Schilder würden demnächst an den übrigen Ortseingängen installiert. Zu den Kosten machte Idriz keine Angaben. Sie würden von den Religionsgemeinschaften mitgetragen; auch die islamische Gemeinde beteilige sich.
Reaktionen
Reaktionen auf die neue Tafel seien in Penzberg bisher durchweg positiv, so der Imam. Das neue Hinweisschild werde als sichtbares Zeichen gegenseitiger Wertschätzung und des respektvollen Zusammenlebens verstanden. "Zugleich unterstreicht es die Offenheit unserer Gemeinde: Das Freitagsgebet und die Predigt finden in deutscher Sprache statt und stehen allen Interessierten offen – Muslimen ebenso wie Nichtmuslimen." Anders sei das Echo teilweise in Sozialen Medien. "Dort gibt es neben zahlreichen positiven Rückmeldungen und viel Zuspruch leider auch viele hasserfüllte und muslimfeindliche Kommentare", sagte Idriz. "Das zeigt, dass Soziale Medien häufig nicht die Stimmung vor Ort widerspiegeln."
Die Gottesdienst-Schilder gehen auf eine Verordnung des Bundesinnenministeriums von 1960 zurück. Sie erlaubte katholischen und evangelischen Gemeinden das Aufstellen der Hinweistafeln an Ortseingängen. 2008 gab das Bundesverkehrsministerium ein Schreiben heraus, das diese Erlaubnis auf alle Religionsgemeinschaften ausweitete. Die Satiregemeinschaft "Kirche des fliegenden Spaghettimonsters" scheiterte im vergangenen Jahrzehnt mehrfach vor Gericht mit dem Anliegen, Gottesdiensttafeln im brandenburgischen Templin aufzustellen. Zur Begründung hieß es, der Verein sei keine Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft. Später erlaubte die Stadt das Aufhängen gleichwohl. (KNA)