Albert Dölken ist seit 45 Jahren im Koster in Hamborn

Abt und Chorherr: "Habe versprochen, zu bleiben"

Abt und Chorherr: "Habe versprochen, zu bleiben"
Bild: katholisch.de / msp

"Das Ordenskleid habe ich extra fürs Foto angezogen", begrüßt Abt Albert Dölken. Er setzt sich an einen Tisch im Sprechzimmer des Klosters der Prämonstratenser, das im Stadtteil Hamborn in Duisburg liegt. Im weißen Habit strahlt der 66-Jährige Gemütlichkeit aus. "Dort drüben bin ich geboren", zeigt der Geistliche aus dem Fenster auf das Krankenhaus gegenüber, das früher das wohl größte katholische Krankenhaus in Deutschland war. Sein Vater hat dort als Verwaltungsleiter gearbeitet, die Familie wohnte daher in der Gemeinde. Mit zwei Schwestern und zwei Brüdern ist er in Hamborn aufgewachsen, berichtet der Prämonstratenser

"Getauft wurde ich in der Pfarrkirche nebenan", ergänzt der Abt. Seine Eltern waren gläubig, sonntags ging die Familie meist in die Kirche. "Zu Weihnachten bekamen wir immer eine Ausgabe des Schott-Messbuchs geschenkt", erzählt der Abt. Für ihn war das ein "Geschenk mit Qualität", denn darin konnte er Bibeltexte nachlesen. In seiner Großfamilie gab es früher schon Ordensleute und Kleriker. So war ein Onkel Benediktinermönch in Maria Laach, ein anderer Onkel war Pfarrer und eine Tante lebte als Ordensfrau in Münster. Der Onkel in Maria Laach ist aber später wieder ausgetreten und hat geheiratet, weiß der Geistliche.  

Er selbst beginnt nach der Erstkommunion in seiner Heimatgemeinde in Sankt Johann in Hamborn für die Kirche aktiv zu werden. Er wird Messdiener, hilft bei Pfarrfesten und in der Jugendarbeit mit. Dadurch lernt er auch in der Schule die Gemeinschaft der Prämonstratenser besser kennen, weil sie in der Gemeinde leben und an den Schulen dort in der Nähe unterrichten. Die Spiritualität des heiligen Norbert, des Gründers des Prämonstratenserordens, hat ihn von Anfang an begeistert, berichtet der Abt. Sein älterer Bruder Clemens entscheidet sich damals gleich nach der Schule für ein Leben im Kloster und tritt in den Prämonstratenserorden ein. Für das Noviziat, die erste Ausbildungszeit im Kloster, geht er in einen anderen Prämonstratenser-Konvent ins Stift Schlägl nach Österreich.  

"Ich gehöre ins Kloster"

Immer wieder besucht Abt Albert dort seinen älteren Bruder. Seine Großmutter hat ihn dazu ermutigt, erinnert er sich. Nach dem Abitur beginnt er in Freiburg katholische Theologie zu studieren, mit noch "offenem Ausgang", wie er sagt. Dann lernt er die Mönchsgemeinschaft des Klosters, in dem sein Bruder ist, näher kennen. Einmal nach einer Ferienfreizeit gemeinsam mit Jugendlichen aus der Gemeinde und Chorherren aus Hamborn war er in Österreich. Dann bleibt er noch ein paar Tage alleine im Stift Schlägl, um dort auf seinen Bruder zu warten, der damals noch in München studierte. Währenddessen darf er im Klausurbereich der Mönche in Schlägl mitleben. "Das war etwas Besonderes für mich", blickt der Ordensmann zurück. Wieder an seinem Studienort in Freiburg möchte er zurück ins Kloster. "Ich gehöre dorthin", stellt er fest. Seine Eltern freuen sich über seine Entscheidung genauso wie seine Großmutter.  

Bild: © katholisch.de / msp

Abt Albert Dölken als junger Abt links im Bild. Im Bild daneben ist er neben seinem älteren Bruder Clemens Dölken, der in einem Priorat der Abtei in Magdeburg lebt und dort Prior ist, zu sehen.

1981 tritt Abt Dölken dann bei den Chorherren in Hamborn ein. Damals ist er 20 Jahre alt. Für das Noviziat geht er ebenso wie sein Bruder nach Oberösterreich ins Stift Schlägl. An die langen Winter dort kann sich der Geistliche noch erinnern. "Auf Schiern und mit Schlitten waren wir öfters unterwegs", schmunzelt er. Sein Theologiestudium setzt der Geistliche dann in Bochum, Münster und für ein Auslandsjahr sogar in Jerusalem fort.  

Danach kehrt er wieder in sein Heimatkloster nach Hamborn zurück. Nach seiner Priesterweihe arbeitet er als Kaplan in der Pfarrei und wird Religionslehrer am bischöflichen Gymnasium. Eine Zeit, an die er gerne zurückdenkt. Heute ist Abt Albert selbst der Leitende Pfarrer in der Sankt Johann-Gemeinde in Hamborn, zu der mehrere Kirchorte sowie 16.000 Katholiken gehören. "Ich feiere noch immer da die heilige Messe, wo ich meine erste Messe gefeiert habe", blickt der Prämonstratenser zurück. Für ihn ist das ein Zeichen von Treue. Schließlich habe er bei seinem Eintritt ins Kloster versprochen, sein Leben lang hier zu bleiben. Bis jetzt habe er seinen Weg in den Orden nicht bereut.  

Zum viertel Mal Abt

Zu seiner Gemeinschaft gehören heute 17 weitere Chorherren, dazu gehört auch ein Priorat in Magdeburg. Die Chorherren leben nach der Ordensregel des heiligen Augustinus und in geistlicher Freundschaft, wie es der Ordensgründer, der heilige Norbert, formulierte. Wenn er von sich selbst spricht, sagt Abt Albert manchmal: "Meine Wenigkeit". Seit 30 Jahren ist er der Abt. Erst kürzlich wurde er zum vierten Mal in Folge von seinen Mitbrüdern für das Leitungsamt in der Gemeinschaft gewählt. Jeweils für zehn Jahre. Er habe gerne "Ja" zu dieser Aufgabe gesagt, denn es erfülle ihn, für seine Mitbrüder da zu sein. Als Abt ist der 66-Jährige für sämtliche Personalfragen im Konvent zuständig. Ein Leben in Gemeinschaft sei nicht immer einfach, gibt er zu. Er kenne Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Da brauche es Mut, Dinge offen anzusprechen, so der Prämonstratenser Chorherr. Weitreichende Entscheidungen treffe der Konvent aber "immer gemeinsam". Sein älterer leiblicher Bruder und Mitbruder lebt in einem anderen Konvent in Magdeburg. Für ihn ist Abt Albert ebenso zuständig. "Wir verstehen uns gut", ergänzt er.  

Einen strengen Führungsstil habe er ohnehin nicht, erläutert der 66-jährige Ordensmann. Ihm ist es wichtig, "alle zusammenzuhalten", viel zuzuhören und "Talente zu fördern". Außerdem lasse er seinen Mitbrüdern viel Freiheit, damit sie sich "kreativ auf ihre Pfarreien und seelsorglichen Aufgaben" einlassen könnten. Einer seiner Mitbrüder ist zum Beispiel der Marathonpater Tobias Breer, der mit Spendenläufen Geld für soziale Projekte sammelt. Ein weiterer Mitbruder ist Rundfunkbeauftragter beim WDR, andere sind als Seelsorger in Kliniken oder Pfarreien tätig. "Wir leben ein spannendes Leben im Orden, das viel Freude bereitet", ist der Chorherr überzeugt.  

Bild: © Abtei Hamborn

Abt Albert Dölken (Mitte) und sein Konvent in der Abtei Hamborn.

Nun zeigt der Chorherr aus Hamborn sein Kloster und führt in den romanischen Kreuzgang, in dem die Gemeinschaft regelmäßig zusammenkommt. Hier im Innenhof ist auch der Klosterfriedhof. "Meine verstorbenen Mitbrüder liegen hier", zeigt Abt Albert auf die Grabsteine. "Hier wird auch einmal mein Grab sein", sagt er nachdenklich. Wenn er einmal im Ruhestand ist, möchte er vorher noch einmal bei seinem Bruder im Konvent in Magdeburg mitleben, überlegt der Abt weiter. Drei Mitbrüder kommen durch eine Tür in den Kreuzgang. Abt Albert zählt ihre Namen auf. "Wir werden weniger", stellt der 66-Jährige dann fest.

Während er redet, steckt er seine Hände in das weiße Stoffband an seinem Habit. Dieses Stoffband, auch Zingulum genannt, ist seitlich an seinem Gewand zusammengeknotet. Über der weißen Soutane trägt er einen weißen Überwurf, das Skapulier. "Ich weiß, dass ich hier zu einer Truppe gehöre, die eine antike Lebensform in mittelalterlichem Gewand mit ein paar barocken Knöpfen durch die Moderne tragen will", scherzt Abt Albert. Sein weißer Habit hat vorne ein paar dunkle Flecken. Die kommen vom Feinstaub, erklärt der Geistliche, denn hier in Duisburg gebe es viel Industrie, die den schwarzen Ruß in die Luft bringe. Ihn erinnere das weiße Ordensgewand jeden Tag an den Auftrag, den sein Ordensgründer seinen Mitbrüdern mitgegeben hat: Die Auferstehung Jesu mitten im Leben anderen zu bezeugen, so wie es die ersten Auferstehungszeugen in weißen Gewändern am Grab Jesu taten.   

Suchte als Jugendlicher nach "alternativer Lebensform"

Abt Albert glaubt fest daran, dass seine Lebensform als Chorherr eine Zukunft hat. Dennoch, einige Mitbrüder habe er schon erlebt, die wieder ausgetreten sind. Immer wieder gebe es Interessenten an seiner Ordensgemeinschaft. Diese frage er dann als erstes: "Mögen Sie Menschen?" Schließlich gehöre das zum Leben in einer geistlichen Gemeinschaft von Priestern dazu, betont der Prämonstratenser. Seinen Weg ins Kloster hat Abt Albert bis heute nicht bereut. Schon als Jugendlicher suchte er nach einer "alternativen Lebensform". Das "verlässliche Leben in einer Gemeinschaft mit viel Geselligkeit" begeistert ihn bis heute. Gemeinsame Projekte und Ziele zu haben, das ermutige ihn weiterhin als Abt, sich für seinen Konvent in Hamborn und den Orden insgesamt einzusetzen. Jetzt möchte er aber ins Refektorium gehen, denn seine Mitbrüder warten auf ihn. Zeit für das Mittagessen. "Erst ziehe ich aber noch schnell meinen Habit wieder aus", lacht der Prämonstratenserabt zum Abschied.   

Madeleine Spendier