Führungswechsel in schwierigen Zeiten

Wie geht es weiter mit der Kölner Theologie-Hochschule?

Schild der Kölner Hochschule für Katholische Theologie
Bild: KNA/Annika Schmitz

Rektor, Prorektor, Kanzlerin – fast die komplette Führungsriege der Kölner Hochschule für Katholische Theologie (KHKT) hört zum Ende dieses Sommersemesters auf. Nach bisherigem Stand bekleidet nach dem 30. September nur noch der Prorektor für die Lehre, Tobias Häner, sein Spitzenamt. Zusätzlich zieht sich der Interimsgeschäftsführer der Trägergesellschaft KHKT gGmbH, Dominik Heringer, zurück.

Der Leitungswechsel fällt in eine angespannte Zeit für die Hochschule. Derzeit verhandeln der Vatikan und die nordrhein-westfälische Landesregierung über die Zukunft der KHKT. Ob und wie es mit der staatlichen Anerkennung weitergeht, hängt vom Ausgang dieser Gespräche ab. Zugleich wird über die Gründe für die Neuaufstellung der Leitung spekuliert. Von Machtintrigen und einer politischen Ausrichtung hin zum ultrakonservativen Lager ist die Rede. Die KHKT-Stiftung weist dies zurück.

Initiative von Kardinal Woelki

2020 hatte das Erzbistum Köln auf Initiative von Kardinal Rainer Maria Woelki die Ordenshochschule der Steyler Missionare übernommen. An der neuen KHKT studieren auch angehende Priester Theologie. Nach Auffassung der Landesregierung ist allerdings allein die Universität Bonn die Ausbildungsstätte für Priester im Erzbistum Köln. Sie bezieht sich dabei auf einen Vertrag zwischen Staat und Kirche, das Preußenkonkordat.

Das Erzbistum Köln setzt sich hingegen für ein Priesterstudium auch an der KHKT ein. Die Vermutung einiger Kritiker, Woelki wolle mit "seiner Hochschule" ein konservatives Gegengewicht zur Uni Bonn schaffen, weist das Erzbistum zurück. Um den Konflikt beizulegen, einigten sich Landesregierung und Vatikan vor rund anderthalb Jahren auf die Einsetzung einer gemeinsamen Kommission, die "auf freundschaftliche Weise" die Meinungsverschiedenheit beseitigen soll. Die Gespräche dauern laut Staatskanzlei nach wie vor an. Offen ließ sie die Frage, wie sie den jetzigen Führungswechsel an der Hochschule bewertet.

Kardinal Woelki lacht
Bild: © KNA/TheoBarth (Archivbild)

Auf Initiative von Kardinal Woelki hatte das Erzbistum Köln 2020 die Ordenshochschule der Steyler Missionare übernommen.

Abzuwarten bleibt auch, wie es mit der staatlichen Anerkennung der KHKT weitergeht. Nach dem Trägerwechsel 2020 gewährte die NRW-Landesregierung der neuen Hochschule übergangsweise eine Anerkennung von sieben Jahren. Laut Staatskanzlei gilt die staatliche Anerkennung der KHKT somit bis zum Ende des Wintersemesters 2026/27.

Normalerweise müssen Hochschulen ein umfangreiches Verfahren durchlaufen, wenn sie eine staatliche Anerkennung haben wollen. Eine funktionierende Leitung spielt in solchen Verfahren eine wichtige Rolle. Sie fungiert nicht nur als Ansprechpartnerin für die Landesregierung, sondern ist auch selbst Gegenstand der Prüfung. Ein Szenario nach dem Wintersemester 2026/27 wäre, dass die KHKT dann ein reguläres Anerkennungsverfahren durchlaufen muss. In diesem Fall stünde die Hochschule unter Druck, die Leitungsfrage zügig zu klären.

Staatskanzlei will sich noch nicht festlegen

Die Staatskanzlei jedenfalls will sich jetzt noch nicht festlegen, wie es mit der Anerkennung weitergeht. Erst nach Abschluss der Gespräche mit dem Vatikan "lässt sich bewerten, welche weiteren Schritte unter hochschulrechtlichen Gesichtspunkten durch welche Beteiligten zu veranlassen sind", teilte sie der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit.

Derweil erscheint es unwahrscheinlich, dass die KHKT zügig eine neue reguläre Leitung bekommt. Denn die KHKT-Statuten sehen einen mehrstufigen Prozess vor, bevor der Großkanzler der Hochschule – Kardinal Woelki – einen neuen Rektor ernennen kann. Unter anderem muss zunächst der Vatikan den Kandidaten bestätigen. Laut KHKT-Stiftung ist der erste Schritt getan: Die Findungskommission "nimmt zeitnah ihre Aufgabe auf", heißt es in einer Pressemitteilung vom 10. Juli.

Kölner Hochschule für Katholische Theologie
Bild: © KNA/Annika Schmitz (Archivbild)

Die Spekulationen rund um den Leitungswechsel an der KHKT kochen hoch.

Gemäß den Statuten werden sechs Mitglieder dieses Gremiums vom Hochschulsenat benannt und drei von der Trägergesellschaft. Die Namen nannte die KHKT-Stiftung der KNA "aus Gründen des Datenschutzes und des Persönlichkeitsschutzes" nicht. "Die Findungskommission legt ihren Arbeits- und Zeitplan eigenverantwortlich fest", so die Stiftung. Konkrete Sitzungs- und Wahltermine würden nicht bekanntgegeben.

Unterdessen kochen die Spekulationen rund um den Leitungswechsel hoch. Die KHKT-Stiftung begründet die Neuordnung der Hochschulspitze vor allem mit dem regulären Ende von Amtszeiten und den persönlichen Lebensläufen einzelner Amtsinhaber. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtet hingegen von einer Umfrage an der Hochschule, in der Mitarbeitende der jetzigen Leitung Mobbing und aggressives Führungsverhalten vorwerfen würden.

Aufgaben des neuen Rektors

Einen Zusammenhang zum Führungswechsel möchte die KHKT-Stiftung nicht hergestellt sehen. Ziel der anonymen Umfrage eines externen Dienstleisters sei es gewesen, "konkrete Maßnahmen zur beständigen Weiterentwicklung unserer Arbeitsbedingungen abzuleiten und Schritt für Schritt umzusetzen", so die Stiftung. Die Rückmeldungen der Mitarbeitenden – positive wie kritische – würden ernst genommen, externe Expertise eingebunden und die gewonnenen Erkenntnisse für Verbesserungen genutzt.

Zugleich berichtet der "Kölner Stadt-Anzeiger", die KHKT solle Verbindungen zu finanzstarken, ultrakonservativen Kreisen in den USA herstellen, was die derzeitige Führung nicht habe mittragen wollen. Diese Darstellung bezeichnete die Stiftung als "frei erfunden". Zu den Aufgaben des neuen Rektors dürfte es auch zählen, weitere Spekulationen einzufangen und die Stimmung rund um die Hochschule zu beruhigen.

Anita Hirschbeck (KNA)