Eine Aufklärung möglicher Polizei-Fehler beim Tod des Marokkaners Abderrahim Fakir in Bologna am 19. Juli hat der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, gefordert. Der Kardinal ist zugleich Erzbischof von Bologna. Dort war der offenbar geistig verwirrte Fakir vergangenen Sonntag während eines mutmaßlich unverhältnismäßigen Polizeieinsatzes gegen ihn gestorben.
Bei Protesten nach dem Tod, dessen Begleitumstände in Videos auf Social Media zu sehen waren, kam es in Bologna zu schweren Ausschreitungen von Demonstranten. Zahlreiche Polizisten wurden dabei verletzt. In der katholischen Tageszeitung "Avvenire" betonte der Kardinal in einem langen Interview seine Solidarität mit den Sicherheitskräften. Er fügte jedoch hinzu, es sei "in ihrem eigenen Interesse, die Fakten auszuwerten und zu klären, ob es möglicherweise Fehler und Verantwortlichkeiten gab."
Zuppi führte aus, dass die Verantwortlichen für die öffentliche Sicherheit oft in schwierigen und unvorhersehbaren Situationen unter großer Spannung handeln müssten. Der Einsatz von Gewalt sei dabei oft unvermeidlich, aber dies dürfe nicht unkontrolliert geschehen.
"Videos können Gewalt auslösen"
Zu den Ausschreitungen gegen Polizeikräfte, die hochkochten, nachdem Videos über den Todesfall tausendfach verbreitet wurden, sagte der Kardinal, man dürfe den beunruhigenden Einfluss dieser Bilder nicht unterschätzen; sie hätten das Potenzial, Wut und Gewalt auszulösen. Er verurteile die Gewalt einer Minderheit von Demonstranten, was aber die Solidarität der friedlichen Teilnehmer mit dem Opfer nicht mindere.
In Bologna (hier der Marktplatz) kam es nach dem Tod des Marokkaners Abderrahim Fakir zu schweren Ausschreitungen von Demonstranten.
Auf die Frage, wie Italien aus dem seither herrschenden Klima der Feindseligkeit herausfinden könne, mahnte Zuppi, Gewalt und Hass könnten sich zu einem nur noch schwer kontrollierbaren Strudel entwickeln. Deshalb sei es wichtig, niemals Hass, Aggression und Vorurteile zu rechtfertigen.
Warnung vor Wut und Selbstjustiz
Der Einsatz für Wahrheit und Gerechtigkeit sei auch in diesem Fall das beste Mittel gegen eine Ausbreitung von Wut und Selbstjustiz; er könne das Vertrauen in die Institutionen stärken. Gerechtigkeit zu verlangen, sei aber nicht gleichbedeutend mit einer Vorverurteilung.
Die Klärung der Fakten in dem komplexen Fall erfordere Zeit und Sorgfalt, betonte Zuppi. Wer Schlussfolgerungen in die eine oder andere Richtung übereilt treffe, fördere die jetzt schon vorhandene Polarisierung, das sei gefährlich.
Kardinal Zuppi (70) ist seit 2015 Erzbischof der traditionell linken Metropole Bologna. Seit 2022 leitet er die Italienische Bischofskonferenz. Bei der Papstwahl im Mai 2025 galt er unter Italiens Bischöfen als aussichtsreichster Kandidat. (KNA)