DBK-Queerbeauftragter fordert mehr als Solidarität

Schepers: Gemeinden müssen sichere Orte für queere Menschen werden

Der Essener Weihbischof Ludger Schepers schaut ernst in die Kamera.
Bild: KNA/Angelika Zinzow

Der Queerbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Ludger Schepers, hat Kirchengemeinden dazu aufgefordert, queeren Menschen Räume zu bieten, in denen sie angstfrei leben können. "Jesus Christus hat Menschen nicht ausgegrenzt, sondern sie in ihrer Würde aufgerichtet. Er hat Gemeinschaft gestiftet, wo andere Grenzen zogen", schreibt Schepers in einem Gastbeitrag für das Online-Portal "kirche-und-leben.de" (Sonntag). Jesu Botschaft sei ein Evangelium der Freiheit, der Versöhnung und der unbedingten Liebe Gottes. "Daraus erwächst für die Kirche ein klarer Auftrag: Unsere Gemeinden müssen Orte sein, an denen jede Person willkommen ist und die unverlierbare Würde erfährt, die Gott ihr geschenkt hat", so Schepers. "Niemand darf jemals fürchten müssen, wegen der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität auf Vorurteile, Misstrauen oder Ablehnung zu stoßen."

Schepers merkt selbstkritisch an: "Die Kirche war für queere Menschen nicht immer ein sicherer Ort. Zu oft wurden einzelne Bibelstellen aus ihrem heilsgeschichtlichen Zusammenhang gelöst und gegen Menschen in Stellung gebracht." Zwischen der Botschaft der unbedingten Liebe Gottes und der Erfahrung vieler queerer Menschen in vielen Gemeinden sei ein "schmerzlicher Widerspruch" entstanden. "Dieser Widerspruch darf nicht bestehen bleiben. Er fordert uns zur Umkehr heraus." Mit Blick auf die Weltkirche formuliert der Essener Weihbischof: "Die Kirche darf sich niemals von kultureller Homophobie prägen lassen, sondern allein vom Evangelium Jesu Christi." Dieses spreche jedem Menschen seine unveräußerliche Würde zu und rufe die Kirche dazu auf, "Schutzraum für die Schwachen, Zuflucht für die Bedrängten und Heimat für alle zu sein".

Anlass für Schepers' Text ist der Anschlag auf den Christopher-Street-Day in Berlin Ende Juli. Die Tat zeige, wohin Menschenfeindlichkeit führe, wenn Hass und Ausgrenzung Raum gegeben werde. "Gerade deshalb reicht bloße Solidarität nicht aus. Unsere Haltung muss sich im konkreten Handeln erweisen: in einer Sprache, die achtet, statt zu verletzen; in Gemeinden, die Türen öffnen, statt Schranken zu errichten; und in einer Seelsorge, die Menschen schützend begleitet, statt sie vorschnell zu beurteilen." Die Frage müsse daher lauten, wie die Kirche diesem Anspruch "von Tag zu Tag glaubwürdiger gerecht werden" könne. "Daran misst sich die Überzeugungskraft unseres kirchlichen Zeugnisses", so Schepers. "Daran entscheidet sich, ob Menschen in unseren Gemeinden etwas von der befreienden und heilenden Liebe Gottes spüren können." (cbr)