91-Jähriger war über 25 Jahre beschäftigt

Rentner baute Kirche in eigenem Garten – nun zog sie um

Die Nieuwe Kerk steht am Mark im niederländischen Delft
Bild: IMAGO / Panthermedia

In der vergangenen Woche hat der 91-jähriges Chris van der Sman Abschied von seiner Kirche nehmen müssen. Und "seine" ist hier durchaus wörtlich zu verstehen: Über 25 Jahre lang baute der Renter aus rund 100.000 Ziegeln die Nieuwe Kerk aus der niederländischen Stadt Delft in seinem eigenen Hinterhof in der nahegelegenen Gemeinde Nootdorp nach. Wie das niederländische "Algemeen Dagblad" berichtete, wurde die Miniatur-Nachbildung am vergangenen Donnerstag abgeholt, um in den botanischen Garten nach Delft umzuziehen.

Jahrelang seien die Menschen in seinen Garten bekommen, um sich die Kirche anzusehen, sagte van der Sman der Zeitung. "Alle sagten, dass sie bewahrt werden müsse." Vor rund drei Jahren habe sich dann jemand aus Delft gemeldet, der "alles in seiner Macht Stehende" habe tun wollen, um die Kirche nach Delft zu bringen.

Und tatsächlich stellte sich der besondere Umzug alles andere als leicht dar: Der Kirchenbau wiegt laut dem "Algemeen Dagblad" 12 Tonnen und ist sehr empfindlich. Für den Transport mussten daher Löcher unter den Betonplatten gegraben und Stahlträger eingeschoben werden. Besonders der Turm musste gesichert werden. Auch am neuen Standort mussten die Arbeiter vorsichtig vorgehen, da die Kirche zwischen mehreren Bäumen exakt auf ein Fundament gesetzt werden musste.

Finanziert wurde der 40.000 Euro teure Umzug durch eine Crowdfunding-Aktion. Die Stadt Delft steuerte nach Angaben der Initiatoren nichts bei. Dafür hat sie jetzt einen detailgetreuen Nachbau einer ihrer Hauptattraktionen bekommen: Mit ihrem 109 Meter hohem Turm ist die Nieuwe Kerk (Foto oben) nicht nur eine der höchsten Kirchen der Niederlande. Das Gotteshaus ist auch die Grabkirche des niederländischen Königshauses Oranien-Nassau.

Für van der Sman bedeutet der Umzug vor allem einen Abschied von seinem Lebenswerk. Nach 56 Jahren mit der Kirche ist sein Garten nun leer. "Der Turm war das Gesicht der Straße", sagte der 91-Jährige. (cbr)