Über tausend warten in der spanischen Exklave

Kirche besorgt um Betreuung minderjähriger Migranten in Ceuta

Migranten in Ceuta
Bild: IMAGO / News Licensing

Es sind beklemmende Bilder. In einem Industriegebiet nahe der Grenze zu Marokko sind in einer provisorisch eingerichteten Lagerhalle Hunderte Minderjährige und Kinder untergebracht. Sie liegen auf Matratzen oder auf dem Boden. Neben sich haben sie kleine Wasserflaschen und ein Sandwich. Niemand scheint sich wirklich um sie zu kümmern.

Die Minderjährigen hatten sich Ende letzter Woche dem Migrantenstrom auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta angeschlossen. Die meisten der 72.000 hauptsächlich jungen Marokkaner sind bereits wieder in ihre Heimat zurückgekehrt. Doch einige tausend halten sich anscheinend noch in der Stadt versteckt. Soldaten und Polizei suchen weiter nach ihnen. Marokkanische Migranten werden direkt zur Grenze gebracht und ausgewiesen. Afrikaner mit einem möglichen Recht auf Asyl kommen ins temporäre Abschiebezentrum.

Dort werden sie sich erst einmal selbst überlassen, aber nach und nach zu den Polizeiwachen gebracht, um ihre Identität und ihr Alter festzustellen. Viele sind alleine nach Ceuta gekommen. Andere wurden im Chaos des Massenansturms auf die Exklave von ihren Eltern getrennt. Einige haben sie vielleicht für immer verloren. Bisher wurden 90 Leichen von Migranten geborgen, die beim Versuch, die ins Meer reichenden Grenzanlagen zu umschwimmen, ertrunken waren.

Nur die Kleider am Leib

Rund 826 unbegleitete Minderjährige befinden sich derzeit in der Obhut der Regionalregierung. Bis zu tausend dürften es wohl insgesamt werden. Jene, die sich in der Stadt und den Hügeln verstecken, schlafen in Parks, am Strand, betteln vor Geschäften um Essen. Die meisten haben nur ihre Kleidung am Leib.

"Eine Stadt mit knapp 84.000 Einwohnern ist mit so einer Situation vollkommen überfordert. Natürlich machen wir uns Sorgen, dass die Minderjährigen nicht angemessen betreut werden", sagte Fernando Redondo, Migrationsbeauftragter der Spanischen Bischofskonferenz, im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Da es sich um Minderjährige handelt, könne die Kirche aber nicht eingreifen und helfen.

Auch die Regionalregierung gibt offen zu, bei der Betreuung so vieler Jugendlicher und Kinder überfordert zu sein. Dies habe in der Grenzstadt derzeit zwar "höchste Priorität", so Alberto Gaitán. "Wir haben aber schlichtweg nicht die Kapazität, sie alle vernünftig unterzubringen, versuchen aber, die Situation schnellstmöglich zu verbessern", so der Migrationsleiter des Stadtrats von Ceuta in spanischen Medien.

Migranten schlafen in Ceuta
Bild: © IMAGO / News Licensing

Viele Migranten schlafen in den Parks von Ceuta.

Am Dienstag stellte die spanische Zentralregierung von Ministerpräsident Pedro Sánchez Ceuta zunächst einmal 25 Millionen Euro Extra-Hilfen für die Betreuung der minderjährigen Migranten zur Verfügung. "Wichtig wäre es aber, die Minderjährigen so bald wie möglich aufs spanische Festland zu bringen und sie dort angemessen unterzubringen und zu versorgen", so Fernando Redondo.

"Das dürfte aber weder so schnell noch so einfach sein", befürchtet Sonia Martínez, Caritas-Rechtsanwältin für Migrationsangelegenheiten. Der Grund: Nach einer Neuregelung im Migrationsgesetz sind Spaniens Regionen dazu verpflichtet, anderen Regionen minderjährige Migranten abzunehmen, sollten diese an die Grenze ihrer Aufnahmekapazitäten kommen. "Das Problem ist jedoch, dass sich vor allem die konservativ regierten Regionen diesem von der sozialistischen Zentralregierung verabschiedeten Gesetz widersetzen", so die Caritas-Anwältin auf KNA-Anfrage.

Regionen machen dicht

Im vergangenen Jahr kam es immer wieder zu offenen Boykotts und Verzögerungen, beispielsweise bei der Übernahme von minderjährigen Migranten von den Kanarischen Inseln. Vor allem in Regionen, in denen die Konservativen mit Hilfe der rechtspopulistischen, ausländerfeindlichen Partei Vox regieren, passiert das. "Es kann aber nicht sein, dass minderjährige Schutzbedürftige unter solchen parteipolitischen Streitereien leiden müssen", so der bischöfliche Migrationsbeauftragte Redondo.

Unterdessen schloss sich auch die Caritas der Bitte der Bischofskonferenz an, dass "kein Mensch als Mittel des Drucks oder der politischen Konfrontation missbraucht werden darf". "Migranten haben Rechte und verdienen es, mit Respekt, Menschlichkeit und Gerechtigkeit behandelt zu werden", heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Kommuniqué der Caritas. Dabei erinnert der soziale Arm der Kirche an die Worte von Papst Leo XIV. bei seinem Spanien-Besuch Anfang Juni: Migranten seien "keine Nummern oder Akten, sondern Menschen mit einer Würde, die niemand verachten darf".

Manuel Meyer (KNA)