Papst Leo XIV. hat junge Menschen ermutigt, sich am radikalen Vorbild von Frieden und Liebe des vor 800 Jahren gestorbenen heiligen Franz von Assisi zu orientieren. "Lernt vom heiligen Franziskus die Radikalität des Evangeliums, die das Gegenteil von Fundamentalismus ist", sagte er am Donnerstag im mittelitalienischen Assisi. "Es macht nicht blind und gewalttätig, sondern feinfühlig, aufmerksam, stets auf die Nachfolge Jesu ausgerichtet und somit bescheiden und allen gegenüber offen."
Christen heute müssten immer mehr zu Friedensstiftern in Gesellschaften werden, in denen die Religion zur Konfrontation von Identitäten instrumentalisiert werde, so der Papst vor tausenden jungen Menschen beim franziskanischen Jugendtreffen "Go!", das anlässlich des 800. Todestags des heiligen Franziskus (um 1181–1226) in Assisi stattfindet. Er erinnerte an den Stil der Einfachheit, Geschwisterlichkeit und Nähe, den der Ordensgründer Franziskus vor 800 Jahren mit seinen Mitbrüdern in Mittelitalien gelebt habe; einer Region, die zuvor Krieg und die gefährliche Verflechtung von religiösem Bekenntnis und Nationalismus erlebt habe.
"Tatsächlich hat die Präsenz der Franziskaner über Jahrhunderte hinweg den Dialog gefördert und zum friedlichen Zusammenleben zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen beigetragen", unterstrich Leo XIV. "Heute bedeutet die Treue zu dieser Tradition der Nähe, gegen den Strom zu schwimmen, die Vergangenheit aufzuarbeiten und die Versöhnung zu pflegen." Christ zu sein, überwinde Ängste, die durch Fehlinformationen und Mauern der Vorurteile hervorgerufen werden, betonte Leo XIV. "Bezeugt diese Lebensweise überall, besonders in einer Zeit, in der die Technologie uns daran gewöhnt, nicht mehr zusammen zu sein, unter Menschen aus Fleisch und Blut."
Kirche als "offene Baustelle"
Weiter erinnerte er an den Auftrag Gottes an Franziskus, mehrere verfallene Kirchen wieder aufzubauen, den er konkret, aber auch symbolisch ausführte. Dieser Auftrag gelte auch für Christen heute. "Jeder von uns hat eine Aufgabe auf dieser stets offenen Baustelle", so Leo XIV. Wenn jeder gemäß seiner je eigenen Aufgabe und Berufung zu dieser gemeinsamen Aufgabe beitrage, "dann werden wir von der Kirche mit der Zuneigung sprechen, die man einer Mutter entgegenbringt, denn wir werden erkennen, dass wir zu ihr gehören", so der Papst. "Das wird eine aufrichtige Art sein, jene Menschen und jene Geschichte zu lieben, in der Jesus Christus zu uns kommt und bei uns bleibt."
Leo XIV. war gegen 8:30 Uhr per Helikopter nahe der Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi gelandet. Dort wurde er von Erzbischof Felice Accrocca von Assisi, Repräsentanten der franziskanischen Orden sowie von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft empfangen. Vor der Basilika, in der sich die kleine Portiunculakapelle befindet, dem Sterbeort des Franz von Assisi, begrüßte er die jungen Menschen, die seit Montag am Jugendtreffen "Go!" teilnehmen. Später feierte er eine Messe in der vollbesetzten Basilika, die auch auf den Platz vor der Kirche übertragen wurde. (KNA)