Nach Einschätzung der Berliner Notfallseelsorgerin Uta Bolze hat der Anschlag am Rande des Christopher Street Days (CSD) viele Menschen aus der queeren Community verunsichert. Sie und andere Notfallseelsorger hätten in den vergangenen Tagen viele Gespräche geführt mit Menschen, die schon persönlich viel Gewalt und Ablehnung erfahren hätten, sagte Bolze dem Berliner "Tagesspiegel" (Freitag). Bei vielen seien alte Wunden wieder aufgebrochen. "Das hat mich sehr berührt", so Bolze.
Am 25. Juli war nach der CSD-Parade in Berlin ein Auto in eine Menschenmenge am Tiergarten gefahren. Dabei wurde eine Person getötet, 31 weitere teils schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter wurde später bei einem Polizeizugriff erschossen. Er soll in der Vergangenheit mehrfach versucht haben, sich im Ausland der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) anzuschließen.
Deutschland habe den Umgang mit Opfern von terroristischen Anschlägen leider einüben müssen, sagte die katholische Seelsorgerin. Sie erinnerte an den Gottesdienst in der Marienkirche am Sonntag nach dem Anschlag. Dieser habe Platz für Trauer gegeben. Trotzdem seien es häufig die Täter, die im Fokus stünden. Da gerieten die Opfer leicht aus dem Blick. "Es ist wichtig, dass wir mit ihnen und um sie trauern", so Bolze. Bolze arbeitet beim Erzbistum Berlin. Sie hat eine spezielle Ausbildung als Notfallseelsorgerin absolviert und ist in dieser Funktion ehrenamtlich tätig. (KNA)