"Präsent sein, ohne zu vereinnahmen"

Erzbischof Bentz: Christen sollten nicht festgefahren sein

Erzbischof Udo Markus Bentz spricht
Bild: KNA/Andrea Krogmann

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hat vor einem zu engen Verständnis christlicher Identität gewarnt. "Meine Identität als Christ ist nicht starr und fest umrissen, sondern in gewisser Weise liquide – mit einem hoffentlich festen inneren Kern", sagte Bentz bei einem Vortrag am Sonntag in Salzburg, wie die Nachrichtenagentur Kathpress berichtet. Eckpunkte seien Christus, die Kirche und ihre Tradition, die je eigenen biografischen und kulturellen Prägungen und die Zuschreibungen durch andere, "die mich als Christen identifizieren".

Kirchlich finde diese relationale Identität, bei der diese Eckpunkte also in Verbindung zueinander stehen, ihre Entsprechung im Begriff der Synodalität, führte der Erzbischof aus. Dabei ginge es nämlich nicht nur um Inhalte, sondern auch darum, mit welcher Qualität Beziehungen untereinander gestaltet würden.

Bentz äußerte sich im Rahmen des Akademischen Festaktes, mit dem am Sonntagvormittag die diesjährigen Salzburger Hochschulwochen endeten. Sie standen vom 3. bis 9. August unter dem Generalthema "Wer wir sind und sein wollen. Identität: Superkraft und Problemzone". Unter den Teilnehmenden waren unter anderen der Salzburger Erzbischof Franz Lackner und der emeritierte Bamberger Erzbischof Ludwig Schick.

Christus als Bezugspunkt

"Relationale Identität" kenne bereits die Bibel, zeigte Bentz auf. "Israel lebt als wanderndes, abhängiges und von Gottes Treue getragenes Volk – aus Verheißung und Erinnerung, aus Beziehung statt aus Selbstbesitz." Das Neue Testament entwickle diesen Gedanken weiter, insofern Christus zum Referenzpunkt der Identität derer werde, die ihm nachfolgen und von ihm erzählen. Christliche Identität müsse man daher "als empfangene, erzählte und gelebte Christusbeziehung" verstehen, führte der Paderborner Erzbischof aus.

Damit wandte sich Bentz zugleich gegen alle Versuche, unter dem Säkularisierungsdruck Identität verstärkt in Abgrenzung, Abschottung des vermeintlich Eigenen und in Besitzstandsdenken zu suchen: "Eine solche, sich als abgrenzend verstehende kirchliche Identität findet Resonanz und Inspiration in politisch identitären Bewegungen". Es bereite ihm daher auch Sorgen, so Bentz, "dass die Seelenverwandtschaft zwischen solchen politischen, identitären und autoritären Strömungen und gewissen Gruppen und Dynamiken in der katholischen Kirche nicht mehr nur ein exotisches Randthema ist, sondern eine toxische Melange bildet".

"Präsent sein, ohne zu vereinnahmen"

Ein Identitätsverständnis, das geschichtliche Dynamik relativiere oder auf einen bestimmten Moment hin "festfriert", entspreche daher auch nicht dem Verständnis, "zu dem sich die Erzählgemeinschaft Kirche auf dem letzten Konzil und in den Folgejahren positioniert hat", so Bentz. In einer pluralen Gesellschaft bedeute christliche Identität daher: "präsent sein, ohne zu vereinnahmen. Zeugnis geben, ohne zu zwingen. Die eigene Hoffnung bekennen, ohne die Freiheit anderer zu bedrohen. Sprechen, ohne andere zu übertönen. Widersprechen, ohne zu zerstören. Einladen, ohne zu vereinnahmen". (KNA)