Erklärung auf Pfarrei-Homepage

Weil er heiraten möchte: Pfarrer gibt Pfarrstelle in Oberursel auf

Priester hält Frauenhand
Bild: AdobeStock/ Photographee.eu

Im hessischen Oberursel sorgt ein öffentlicher Brief eines katholischen Geistlichen für Aufsehen. In dem am Wochenende publik gewordenen Schreiben kündigt Andreas Unfried an, dass er gegenüber dem zuständigen Limburger Bischof Georg Bätzing seinen Verzicht auf die Pfarrei Sankt Ursula in Oberursel und Steinbach erklärt habe. "Der Grund ist, dass ich heiraten werde." Zuerst hatte bild.de über den Vorgang berichtet.

Seit vielen Jahren lebe er heimlich in einer Beziehung zu einer Frau, schreibt Unfried in dem auf der Homepage der Pfarrei eingestellten Brief. "Jetzt spüre ich, dass die Zeit gekommen ist, dieser zweiten Berufung nachzukommen." Die Konsequenz der Suspendierung vom priesterlichen Amt sei zwingend und ihm bewusst. "Es war mir immer klar, dass die katholische Kirche für die Ausübung des Priesteramts den Zölibat verlangt", so Unfried weiter. "Ich habe dies auch nach Kräften versucht zu leben, muss aber anerkennen, dass ich dieses Charisma nicht wirklich in mir trage."

Entschluss nach 37 Dienstjahren

In seinem Brief betont der Geistliche, dass er ohne Groll aus dem Amt scheide. "Ich durfte in 37 Dienstjahren und auch in den Jahren der Vorbereitung darauf wachsen und reifen und habe meine Kirche stets als förderlich und wohlwollend erfahren. Ohne die katholische Kirche wäre ich nicht, wer ich heute bin." Aber auch ohne die Unterstützung seiner Lebenspartnerin hätte er diese 37 Jahre nicht durchgehalten, so Unfried. "Es ist Zeit – so spüre ich es – nun die Gewichtungen anders zu verteilen, da sie in den verdienten Ruhestand gegangen ist und auch für mich das Ende der beruflichen Tätigkeit nahe gekommen ist. Sie hat lange auf mich gewartet. Dafür bin ich sehr dankbar. Nun ist es genug."

Weiter schreibt Unfried: "Ich bin mir bewusst, welche Enttäuschungen ich auch mit meinem Schritt auslöse. Ich kann nur hoffen, dass mein Schritt irgendwann akzeptiert werden kann, auch wenn ich weiß, dass ich vielen damit aktuell das Leben schwer mache." Ausdrücklich bedankt sich der Seelsorger bei Bischof Bätzing und seinen Mitarbeitern "für den wertschätzenden Umgang mit meiner Situation und auch für die Stringenz ihres Handelns". Bistumssprecher Stephan Schnelle sagte auf Anfrage: "Wir respektieren die persönliche Entscheidung von Pfarrer Andreas Unfried und danken ihm für sein jahrzehntelanges Engagement." (KNA)

Stichwort: Zölibat

"Zölibat" bezeichnet die aus religiösen Gründen gewählte Ehelosigkeit. Der aus dem Lateinischen stammende Begriff umschreibt die Verpflichtung der katholischen Priester und Ordensleute zur Ehelosigkeit und einem Leben in Keuschheit. Begründet wird der Zölibat mit dem Hinweis darauf, dass sich ein geweihter Geistlicher radikal dem Dienst an Gott und den Menschen verpflichtet. Daneben gibt es praktische Begründungen.

Aus der Bibel lässt sich der Zölibat nicht direkt ableiten, auch wenn an mehreren Stellen des Neuen Testaments das ehelose Leben in der Nachfolge Christi angesprochen wird. Im Matthäus-Evangelium spricht Jesus davon, es gebe Menschen, die sich "um des Himmelreiches willen" der Ehe enthielten.

Erste rechtliche Bestimmungen zur Enthaltsamkeit von Priestern und Diakonen reichen ins vierte Jahrhundert zurück. Papst Benedikt VIII. ordnete 1022 an, dass alle Geistlichen nicht mehr heiraten dürfen. 1139 wurde die Zölibatsverpflichtung in der westlichen Kirche zum Kirchengesetz, als das Zweite Laterankonzil Priesterehen für nichtig erklärte. Die römische Kirche hat seitdem grundsätzlich daran festgehalten, auch wenn es noch Jahrhunderte dauerte, bis sich die Zölibatsdisziplin in der Kirche des Westens durchsetzte.

Vorstöße, die Zölibatsverpflichtung zu lockern oder aufzuheben, gab es immer wieder. Martin Luther und andere Reformatoren lehnten den Zölibat ab. In den Kirchen der Orthodoxie gibt es die Pflicht zur Ehelosigkeit nur für Mönche und Bischöfe. Dies gilt auch in den mit Rom verbundenen Ostkirchen. Wenn verheiratete Geistliche aus einer anderen Konfession zur katholischen Kirche übertreten und zum Priester geweiht werden, dürfen sie ihre Ehen beibehalten. (KNA)